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Die wirksame Bekämpfung von sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche hat für die Bundesregierung hohe Priorität. Um den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt und Ausbeutung sowie den Schutz der Opfer solcher Gewalttaten langfristig zu verbessern, hat das Bundeskabinett am 29. Januar 2003 einen Aktionsplan verabschiedet.
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Ursachen sexuellen Mißbrauchs
Warum macht einer sowas?
Es gibt keine leichte oder einfache Antwort auf die Frage, warum ein Mensch ein Kind mißbraucht. Häufig gelten Täter als krank oder es wird angenommen, daß sie Mädchen und Jungen sexuelle mißbrauche, weil sie keine befriedigenden sexuellen Beziehungen haben. Dies sind in der Regel aber nicht die Ursachen für einen sexuellen Mißbrauch.
Man kann davon ausgehen, daß es sich um ein Zusammentreffen verschiedener Ursachen und Bedingungen handelt, die erst neuerdings näher untersucht werden. Deshalb gibt es verschiedene Erklärungsansätze, die unterschiedliche Aspekte betonen.
Viele Fachfrauen und Fachmänner heben hervor, daß die Ungleichheit im Geschlechterverhältnis in unserer Gesellschaft erst die Voraussetzungen dafür schafft, daß und auf welche Weise Frauen, Mädchen und Jungen sexueller Gewalt ausgesetzt sind.
Sie gehen von der Erfahrung aus, das der Täter meist unauffällige, scheinbar nicht von der Norm abweichende Männer sind, die jeder Berufsgruppe und jeder sozialen Schicht angehören können. Mißbraucher handeln nicht aus einem "sexuellen Notstand heraus. Häufig haben sie sexuellen Kontakte zu erwachsenen Frauen, denn dem Täter geht es beim sexuellen Mißbrauch nicht in erster Linie um sexuelle Befriedigung. Es geht um den Mißbrauch von Macht durch sexuelle Gewalt. Die Sexualität wird als Mittel, sozusagen als "Waffe" benutzt, um Macht auszuüben. Sexueller Mißbrauch ist nicht eine gewalttätige Form von Sexualität, sondern eine sexuelle Form von Gewalttätigkeit. Beim sexuellen Mißbrauch benutzt der "Machtvolle" seine Überlegenheit, um dem "Machtlosen" Gewalt anzutun. Wo eine Person oder Gruppe viel mehr Macht hat als eine andere, ist auch immer das Risiko gegeben, daß diese Macht mißbraucht wird. In unserer Gesellschaft haben Männer mehr Macht als Frauen und Erwachsene insgesamt mehr Macht als Kinder, wobei das Machtgefälle am größten ist zwischen Männern und Mädchen. Dieses Machtgefälle ist ein bestimmender Faktor für das besonders große Ausmaß sexueller Gewalt, die den Lebensalltag von Mädchen prägt, besonders wenn Männer meinen, sie hätten das alleinige "Sagen" und Frauen und Kinder müßten sich ihrem Willen unterordnen. Manche Männer gehen dann so weit, daß sie Frauen und Kinder als benutzbaren Besitz - auch in sexueller Hinsicht - betrachten und daraus ein Recht für sich ableiten, sie auch sexuelle ausbeuten zu dürfen.
Gefördert wird eine solche Einstellung durch die in unserer Gesellschaft immer noch herrschenden Frauen- und Männerleitbilder, wie sie auch in Zeitschriften, Werbung, Filmen usw. vermittelt werden. Der männliche "Eroberer", der sich einfach nimmt, was er will, ist immer noch ein Männlichkeitsideal, nicht nur in Abenteuerfilmen. Für häufig wechselnde Sexualkontakte, besonders auch zu jüngeren Frauen ("Kindfrauen"), wird er bewundert, er gilt als "toller Hecht, der nichts anbrennen läßt". Wenn eine Frau hingegen "Nein" sagt, so heißt es oft, will sie erobert werden, eigentlich meint sie "Ja". Gewalttätiges Verhalten wird entschuldigt, indem behauptet wird, Männer hätten eben stärkere sexuelle Bedürfnisse und Aggression läge in ihrer Natur. Schon als kleine Jungen erleben Männer am Vorbild ihrer Umwelt ihre Vormachtstellung. Überlegenheit, Stärke und Durchsetzung ihres Willens werden ihnen zugestanden und von ihnen erwartet. Wer aber in der Überzeugung aufwächst, mehr Rechte als andere zu haben, fühlt sich später eher ermutigt, sein vermeintliches Recht auch mit Gewalt einzufordern. Einige Fachleute weisen auch darauf hin, daß der sexuelle Mißbrauch mit Kindheitserfahrungen zu tun haben kann. Viele mißbrauchende Erwachsene haben als Kinder selbst Erfahrungen mangelnder Zuwendung, körperlicher oder sexueller Gewalt gemacht. Sie haben gelernt, daß sie Sexualität anstelle von Zuwendung und Anerkennung erhalten haben und setzten diese Erfahrung dann gewaltsam bei ihren Kindern fort. Besonders Jungen, die selbst mißbraucht wurden, versuchen, Gefühle von Ohnmacht und Hilflosigkeit zu unterdrücken, indem sie ihrerseits mißbrauchen, weil sie die Opferrolle für viele Jungen nicht in das männliche Selbstbild, das ihnen vorgelebt wird, paßt. Manchen Täter werden von Fachkräften des Kinderschutzes als Menschen beschrieben, die sich nicht als selbstbestimmte und machtvolle Persönlichkeit erleben und deren Beziehungen zu Erwachsenen eher geprägt sind durch Angst und Abhängigkeit. Über die Ausbeutung der Mädchen und Jungen suchen sie sich Gefühle von Überlegenheit, Befriedigung und Sicherheit zu verschaffen.
In anderen Fällen findet sexueller Mißbrauch in einem Umfeld statt, in dem auch sonst die Bedürfnisse und eigenständigen Rechte von Mädchen und Jungen nicht geachtet werden. Nur zu leicht kann das lebensnotwendige Bedürfnis der Kinder nach Zuneigung und Geborgenheit benutzt werden für die Befriedigung eigener Wünsche der Erwachsenen benutzt werden. Einigkeit herrscht darüber, daß zu den Ursachen sexuellen Mißbrauchs zählt, daß viele Mädchen und Jungen durch die Erziehung, die sie erfahren, regelrecht zu Opfern gemacht werden .
Die Suche nach den Ursachen sexuellen Mißbrauchs an Kindern gleicht einem Puzzle. Einzelne Teile ergeben für sich noch keine umfassende Erklärung. Setzt man sie aber zusammen, so wird das Bild deutlicher

