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Pädophile suchen Kontakte inzwischen vor allem im Internet

Weltweiter Handel mit Schmutz

Berlin - Männer mit sexueller Neigung zu Minderjährigen nutzen zunehmend das Internet, um die von ihnen bevorzugten verbotenen Kinderfotos auszutauschen. Jüngstes erschreckendes Beispiel sind die Aktivitäten des in den Niederlanden aufgeflogenen Kinderporno-Rings, der seine Kunden über das weltweite Computernetz versorgte.

 Auch die deutsche Polizei beobachtet bei Hausdurchsuchungen, daß Kinderpornos als Druckwerke oder Videos auf dem Rückzug sind. Bereits etwa die Hälfte des Materials wird auf Computern als digitales Bildmaterial entdeckt. Kontakte zu und zwischen Pädophilen werden in den Plauschecken des Internets geknüft, den sogenannten Chat-Rooms oder Newsgroups. Für nicht Eingeweihte bedeutungslose Schlüsselwörter sorgen dafür, daß sich Gleichgesinnte erkennen. Anschließend werden die Fotos als nicht erkennbare Anhängsel harmloser E-Mails zwischen den Pädophilen verschickt. 

Ungewollt mit Kinderpornos versorgt?

Allerdings kann jeder Internetnutzer auch ungewollt in den Besitz der schmutzigen Ware gelangen. Kommerzielle Versender unerwünschter Werbe-Mails für Sex-Server schicken oft gleich eine "Probe" mit. Wer diese E-Mail in Empfang nimmt, kann nicht erkennen, welche brisante Fracht ihm auf die Festplatte rauscht. 

Strafbar ist schon der Versuch, sich Kinderpornographie zu beschaffen. In den Suchmaschinen des Internets führen Begriffe wie "Kinderporno" oder "Kiddy Sex" die Hitlisten an. Der Suchbegriff "Kinderporno" bringt allein in der Suchmaschine Fireball 20 Seiten deutschsprachige Treffer. Wer sich hier durchklickt, landet indes in keinem Fall direkt bei einem verbotenen Bild. 

Per Klick vor den Staatsanwalt

Anders kann das bei einem neugierigen Klick auf die oft kryptischen Namen auf einem japanischen Sex-Server sein und schon lauert der Staatsanwalt. Die Strafen sind happig. Für den Kinderporno-Besitz drohen Geldstrafen oder Haftstrafen bis zu einem Jahr. Wer die Bilder privat oder kommerziell an andere versendet, sieht je nach Schwere der Straftat bis zu fünf oder gar zehn Jahren Gefängnis entgegen. Jeder Sufer hinterläßt eine eindeutige Datenspur im Netz. Gerät er in das Visier der Behörden, ist jede Aktion zumindest theoretisch nachvollziehbar. 

Polizei fahndet nach illegalem Material

Die Bayerische Polizei hat die Internet-Kriminellen schon länger im Visier. Sogenannte Netzpatrouillen fahnden anlaßunabhängig im Internet und anderen Datennetzen nach Produzenten und Verbreitern von Kinderpornos. Rund 180 mal schnappte die Falle bereits zu. Oft helfen mitunter anonyme Tips von Surfern weiter. Oder die Beamten surfen in den einschlägigen Schmuddelecken des Netzes "under cover", spiegeln pädophile Neigungen vor und warten, bis sich der "Kinderfeund" am anderen Ende des Drahts mit der erbetenen Mail eines Sex-Bildes strafbar macht. Danach folgt Routine, sagt Jürgen Schmittgall, Kriminaloberkkommissar für Jugend- und Medienschutz im Polizeipräsidium München. Die digitalen Beweismittel werden sichergestellt, EDV-Experten des LKA werten die Bits und Bytes aus. 

Selbsthilfegruppen verfolgen die Szene

In zahlreichen Ländern verfolgen nicht nur Behörden, sondern auch eine unübersichtliche Zahl von Selbsthilfegruppen die Kinderpornoszene. Mehrere Netzwerke gegen Kindesmißbrauch sind in den EU-Ländern im Aufbau. Ganz vorne liegt das Dutroux-geschädigte Belgien, etwa mit dem Meldepunkt Kinderporno im Internet oder der Meldestelle Kinderpornographie der Belgischen Gerichtspolizei. Eine belgische Initiative, die Werkgroep Morkhoven war es auch, die jetzt dem niederländischen Händlerring auf die Spur kam. Dieser verschickte seine Bilder einem Fernsehbericht zufolge in die ganze Welt - unter anderem nach Deutschland. 
 

Johannes Frewel, AFP - Screenshots: red

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