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Die Pädophilokratie

Aus Brüssel....
David McGowan
August 2000

Tatsächlich wurden Stimmen laut, die den Rücktritt der gesamten Koalitionsregierung forderten. Fünf Monate danach stellte eine Umfrage des Brüsseler Le Soir fest, daß nur noch einer von fünf Belgiern Vertrauen zu der Bundesregierung und dem staatlichen Justizsystem hatte. Die Los Angeles Times berichtete im Januar 1998: "Die Überzeugung hat sich in der Bevölkerung festgesetzt, daß Mitglieder des Establishment - Regierungsminister, die katholische Kirche und der Hof von König Albert II Kindersex-Ringen entweder angehört oder diese beschützt haben."

Im April 1997 identifizierte ein parlamentarischer Ausschuß 30 Beamte, die wie die Times es taktvoll ausdrückte, "es unterlassen hatten, Dutroux´ Verbrechen aufzudecken". Das Mißtrauen unter dem Volk verzog sich kein Bißchen, als ein Jahr danach noch keiner der 30 irgendwelche Nachteile deswegen hatte. Hinzu kam, daß wenigstens 10 vermißte Kinder, die man unter Dutroux´ Opfer vermutet, niemals gefunden wurden.

Im Ausschußbericht sahen viele eine schamlose Vertuschung. Die News Telegraph faßte den Ausschußbericht so zusammen: "Im Bericht stand, daß der Konflikt zwischen gegensätzlich wirkende Kräften den Austausch von Information sowie das Aufarbeiten von eindeutigem Beweismaterial verhindert hätten" . Viele sahen darin eine schamlose Vertuschung, denn es war offensichtlich, daß wildwuchernde Korruption und eine komplizenhafte Polizeiarbeit die Ursachen waren.

Nur wenige Monate vor dem Erscheinen des Reports berichtete der Telegraph: "Schlimmen Gerüchten zufolge" habe ein "zweiter, genauso schrecklicher Pädophilenkreis neben dem um Dutroux operiert." Man vermutete, der zweiter, durch Michel Nihoul mit Dutroux liierter Kreis habe die Leichen von 7 Kindern versteckt.

Zwei Monate später wurden Patrick Derochette und 3 seiner Familienmitglieder nach der Entdeckung der Leiche von einem 9-jährigen Mädchen festgenommen. Bald vermutete man auch hier eine Verbindung, denn Derochette war wie Dutroux wegen mehrfachen Kindervergewaltigungen verurteilt und in einer psychiatrischen Anstalt untergebracht worden, aus dem er nach nur 6 Wochen entlassen wurde.

Von offizieller Seite kam schnell ein Dementi, aber im Januar 1998 wurden, laut Telegraph, "neue Beweise von Seiten eines mit dem Fall beschäftigten Rechtsanwalts bekannt, die die Behauptung der Polizei widerlegten, es gäbe keine Zusammenhänge zwischen den wegen Kindermordes angeklagten Marc Dutroux und Patrick Derochette." Der Verbindungsmann sollte einmal mehr Nihoul sein.

Im April 1999 schrieb der Guardian, "der im Volk sehr geschätzte Vorsitzende des Parlamentsausschusses zu diesem Fall behauptet heute, die Ergebnisse seiner Untersuchung wurden von führenden Beamten in Politik und Justiz im Keim erstickt, um Einzelheiten über eine Komplizenschaft bei den Verbrechen zu verschleiern. ... Herr Verwilghen erklärt, daß hochrangige Personen der Politik und Justiz ihm die Zusammenarbeit verweigerten. Richter und Polizei hätten offizielle Anweisungen bekommen, auf bestimmte Fragen nicht zu antworte. Es sei eine "typische Erstickungsaktion" gewesen."

Heute im August 2001, fünf Jahre nach Dutroux Festnahme steht sein Prozeß immer noch aus. Eltern der Opfer protestieren heute noch über diese Vertuschungsskandal, und man erfuhr "erst vor kurzem", so der Telegraph, "daß die wissenschaftliche Auswertung von 6000 Haaren, die im (unterirdischen Verließ) gefunden wurden erst in diesem Jahr begonnen haben." Diese Auswertung könnte natürlich Aufschluß darüber liefern, wieviele Opfer überhaupt durch Dutroux´ Folterkammer gewandert sind.

Wenn der Fall Dutroux ein abartiger Einzelfall wäre, so wäre er immer noch ein Zeugnis für die himmelschreiende Korruption und Bosheit des politischen und Justizestablishments in Belgien, doch scheint es, schlimmer noch, kein Einzelfall zu sein.

Ende 1999 ereilte Litauen ein Kinderpornographie und -prostitutionsskandal, der bis ganz oben in die Polit- und Machthierarchie des Landes reichte. Der Fall kam in August ans Licht, als die Polizei einen massiven Fall mit bis zu 2000 schwer mißbrauchten Kinderopfer aufdeckten. Als in der Presse Verbindungen zu hohen litauischen Beamten enthüllt wurden, wurde ein parlamentarischer Sonderausschuß eingerichtet. Im Februar 2000 lieferte der Ausschußvorsitzende ein Bericht ans Parlament, der den Premierminister, den Justizminister, den Direktor der Staatsfinanzen und etliche Mitglieder der Sicherheitskräften benannte. Sofort wurden Anstrengungen unternommen, um den Ausschußvorsitzenden in Verruf zu bringen, z.B. durch Behauptungen, er hätte Verbindungen zum ehemaligen KGB gehabt, - die klassische Art von Rufmord in ehemals sozialistischen Ländern.

Teil I hier weiterlesen

Auszug aus dem Buch mit dem vielsagenden Titel "Sie werden belogen".
Nicht autorisierte Übersetzung
Glenys

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