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anti-kinderporno.de
... Notstand und kein Ende in Sicht....
.... wir haben lange geschwiegen. Wie schon einmal. Wir haben uns geschämt.. wie schon einmal...
Aber damit ist jetzt Schluß......!
An einem Morgen um 6:30 Uhr am 20.08.99. Wir schliefen noch. Und die Kinder auch. Es klingelte an der Tür. Ich ging verschlafen öffnen. Denn wenn es um die Zeit klingelt, dann muß es was wichtiges sein.. dachte ich mir.
Drei Herren in Zivil standen vor der Tür: „Guten Morgen, wohnt hier ein Herr Blumenthal?“
Ich darauf: „Ja, aber der schläft noch – ist ja noch früh. Um was geht es denn?“
Sie darauf: „ Wir haben einen Haussuchungsbefehl“
Ich darauf: „WIEBITTE?“
Sie darauf: „Können wir eintreten?“
Ich darauf: „Moment, ich weck ihn gerade.“
Ohne das ich sagte, ja sie können eintreten, standen die Herren auch schon in unserem Büro.
Udo verschlafen: „Um was geht es denn?“
Die freundlichen Herren der Polizei: „Gegen sie, Herr Blumenthal, wurde am 07.07.99 eine Anzeige wegen Verbreitung von Kinderpornografie erstattet und wir sind jetzt hier um ihre PC Anlage sicher zu stellen.. Sind sie damit einverstanden?“
Ich darauf: wer hat Anzeige erstattet?
Er antwortete: darüber dürfen wir ihnen keine Auskünfte geben.
Wir beide waren so was von geschockt. Konnten gar nicht reagieren. Wie festgenagelt standen wir da. Die Herren waren auch schon dabei die Anlage abzubauen und alles einzupacken.
Ich stand eine ganze Zeit da und mir gingen die Gedanke durch den Kopf... wir sollen Kinderpornografie verbreiten? Wer kann allen Ernstes behaupten, wir würden Kinderpornografie verbreiten? Ich wusste nicht wie ich reagieren sollte. Was ich jetzt als 1. tun sollte?
Die Kinder wurden wach.. Sie stellten Fragen, die ich nicht beantworten konnte. Mir war schlecht, mir fehlten einfach die Worte.
Ich startete den Versuch, mich zu wehren. Mit Worten natürlich. Anti-Kinderporno e.V. i.G verbreitet doch keine Kinderpornografie, wir kämpfen gegen den Schmutz im Netz an. Wir klären Eltern, Erziehner, Lehrer und Kinder/Jugendliche auf, wie sie sich am besten verhalten sollten. Wie man sich schützen kann, wie man die Kinder schützen kann, wie man sich verhält, wenn man auf Kinderpornografie stößt. Das tun wir. Wie kann man von uns denken, wir würden Kinderpornografie verbreiten. Es kann doch jeder auf unseren Seiten nachlesen, was wir tun.
Die Herren stellten sich ziemlich unfachmännisch an, die Anlage abzubauen. Sie konnten noch nicht einmal einen Rechner runterfahren.
Ich ging auf den „Techniker“ zu um meinen Rechner (unsere Rechner sind immer hochgefahren) herunterzufahren.
Der Techniker: „WENN SIE HIER WAS ANFASSEN......!
Ich war geschockt, Ich hatte mir nichts dabei gedacht... Ich trat wieder einen Schritt zurück. Udo war immer noch unfähig ein Wort zu sagen.
Ich versuchte unseren Anwalt zu erreichen, was um diese Zeit natürlich utopisch war.
Der Beamte rief in Hofheim an und forderte einen größeren Wagen an um alles abtransportieren zu können. Er sagte am Telefon: „Hier ist alles voll. Da brauchen einen größeren Wagen um das alles abzutransportieren.
Kurze Zeit später kam dann auch schon ein Mannschaftswagen mit 4 uniformierten Beamten und halfen unsere Anlage herauszutragen.
Udo wurde nun auch lebendig und meinte, das dürfte doch alles nicht wahr sein. Menschen die sich dafür einsetzten etwas gegen diesen Missstand unternehmen, so zu behandeln.
Der eine Beamte (er war wohl der Einsatzleiter) darauf: Nun stellen sie sich mal nicht so an. Sie können ja Widerspruch einlegen.
Diese ganze Aktion dauerte über eine Stunde. Sogar die Computer der Kinder hatten sie aus der Wohnung geholt. Wir versuchten die Kinder zu beruhigen. Ihnen Erklärungen zu geben. Aber wir waren wie blokiert. Sie gingen dann erst einmal in die Schule.
Wir versuchten weiter unseren Anwalt zu erreichen. Stunden später gelang es dann auch. Aber was der uns sagte, brachte uns auch nicht viel weiter. Es würde Monate dauern, bis wir etwas erfahren würden. Die Rechner werden durchgescant und dann bekommen wir sie wohl auch wieder.
Wir saßen da und überlegten wie es jetzt weitergehen kann. Ob es weitergehen kann. Ob wir aufgeben sollen? Wir sind immerhin Eltern von 5 Kindern. Wir dürfen nicht aufgeben. Das war uns klar. Wir beschlossen in einen neuen PC zu investieren und nun gerade weiter zu machen. Wir sind nicht klein zu kriegen.
Udo zur Arbeit. Ich konnte meine Arbeit nicht mehr machen, da mein Rechner ja auch nicht mehr da war.
Am nächsten Tag bekam ich dann noch Besuch vom Jugendamt. Sie Dame meinte im laufe des Gesprächs, sie müsste sich Gedanken machen, ob dieses Umfeld das richtige sei um Kinder aufzuziehen. Sie wird die Sache im Auge behalten..
NEIN – dachte ich! NEIN – dies ist alles nicht wahr. Ich bin im falschen Film. Unsere Kinder wissen, was wir machen. Aber nur teoretisch. Und sie stehen hinter uns. Wir reden viel, sie müssen auf vieles verzichten, damit wir überhaupt arbeiten können. Viel Freizeit geht drauf in der man gemeinsam schöne Dinge tun könnte. Viel Geld geht drauf, Geld womit man in der Familie mehr machen könnte. Aber sie stehen alle 5 hinter uns.
Also kein Grund aufzugeben.
Die Dame des Jugendamts meinte (nachdem wir uns lange unterhalten hatten): Müssen sie sich denn ausgerechnet mit dieser Thematik auseinandersetzten? Es gibt doch anderes wo man aktiv sein kann.
Ich darauf: diese Reaktion kennen wir. Wäre es ihnen lieben wir würden uns für mehr Grünflächen einsetzen? Oder was wäre ihnen genehm? Wie die drei Affen: nichts hören, nichts sehen, nichts sagen? Einfach schweigen?
Nein wir dürfen nicht schweigen!
Das war die Geschichte....
Nun unsere Gefühle dazu....
Wir haben uns geschämt. Wir wussten ja nichts genaues. Rein gar nichts. Wir haben ganze 3 Monate geschwiegen – und weitergemacht. Wir hatten ja nichts mehr. Alle Unterlagen waren auf den Rechnern. Bis man das alles wieder aufgebaut hatte...
Geschwiegen, wie schon einmal.
Anfang November 1999 gingen wir dann zu einem anderen Anwalt und erfuhren nun auch endlich, worum es in der Anzeige geht. Und auch wer Anzeige erstattet hat.
Man glaubt es wirklich nicht, was wir da zu hören bekamen.
Udo Blumenthal wurde angezeigt wegen Verbreitung von Kinderpornografie und alles beruht auf seiner Seite, auf der sein Missbrauch nachzulesen ist.
Wir fielen aus allen Wolken. Wir waren sprachlos. Auf diese Seite wären wir niemals gekommen. Wir beide Udo und ich. Wir haben beide lange Jahre über unseren Missbrauch geschwiegen. Aus Scham aus Schuldgefühl. Und wir sollen jetzt wieder schweigen? Das alles kann doch nicht wahr sein!
Dies hat doch nichts mit Kinderpornografie zu tun. Wenn dem so wäre, dann müssten alle Überlebenden, die ihre Erlebnisse aufgeschrieben, ihr Schweigen gebrochen haben, ihre Seiten vom Netz nehmen. Sie wären wieder bestraft.
Wir sind nicht bereit aufzugeben. Uns kann niemand aufhalten. Wir werden weitermachen. Ob es dem Herrn nun passt, oder nicht! Unser Ziel ist es Kinder und Jugendliche zu schützen. Und nichts anderes.
Wir werden niemals aufgeben! Auch wenn es diesem Herrn nicht gefällt. NIEMALS!
Bis zum heutigen Tag hat es keine Vernehmung zur Sache gegeben.
.... liebe Grüße
Beate Nieswandt – Nessling..
Einfach mal drüber nachdenken!
wir werden euch auf dem laufenden halten

