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Kampf gegen Kinderpornografie und Kindesmissbrauch Das Buch ist erschienen im Kleindienst-Verlag, - auf der Webpage gibt es auch weiterführende Infos zum Thema, hat die ISBN 3-9501151-7-X, 193 Seiten und kostet E 19.90.-. Im Anhang gibt es umfangreiche Texte von Rotraud Perner, dem Medienjuristen Ernst Swoboda, von Anton Schmid und Pinterits von der Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft, von der Verlegerin Barbara Mucha und von Holger Kind, Internetfahnder des deutschen BKA
anti-kinderporno.de
Kampf gegen Kinderpornografie und Kindesmissbrauch
Seit 14 Jahren beschäftigt sich der Wiener Journalist Alexander Haide unterschiedlich intensiv mit Kinderpornografie und Kinderschändern. Was bisher Gegenstand von Artikeln für verschiedene Medien und von Reportagen war, ist nun Thema des Buches "Stoppt die Kinderschänder", das wir noch druckfrisch lesen konnten. Haide wählte diese Form der Auseinandersetzung, weil so alle Zusammenhänge aufgezeigt werden können, statt wie in Zeitschriftenbeiträgen immer nur Mosaiksteine darzustellen.
Motiviert hat ihn auch, dass gerade über die Rolle des Mediums Internet in Sachen Verbreitung von Kinderpornografie falsche Vorstellungen kursieren. Viele nehmen immer hoch an, der Zugang sei gar nicht so einfach zu bekommen.. Tatsächlich braucht aber keiner Experte zu sein, um entsprechende Newsgroups und Webseiten aufzuspüren. Im Gespräch mit uns bedauerte Haide, dass unterschiedliche Gesetzesgrundlagen die Handhabe gegen die Täter erschweren.
In den USA wird die "freedom of speech" hochgehalten, womit Newsgroups egal welchen Inhalts unzensiert agieren können. Allerdings werden andererseits Männer, die Kinder "im realen Leben" missbrauchen, schon mal lebenslänglich hinter Gitter verfrachtet. Darstellungen, die in Österreich legal sind, werden in Deutschland beanstandet. Einheitliche europäische Regelungen auch hinsichtlich Schutzalter sind bislang nicht geschaffen worden, wodurch jedoch Europol über keine entsprechende Handlungsgrundlage verfügt.
Verstand man "früher" unter pornografischen Bildern von Kindern zum Beispiel von "Spannern" aufgenommene Fotos an FKK-Stränden - die auch in einschlägigen, legal erhältlichen Zeitschriften veröffentlicht wurden -, so ist in den letzten paar Jahren eine dramatische Entwicklung zu beobachten. Vor drei Jahren gab es noch wenige Webseiten mit Kinderpornografie, während es heute 500 bis 1000 sind. Die User erhalten über den Kauf eines Passwortes via Kreditkarte Zugriff auf dieses Material.
Jedes dieser mit teurer Ausrüstung aufgenommenen Bilder ist mit einem Copyright versehen und wird dann von den Usern in einschlägigen Newsgroups gepostet. Haide sieht in einem Vorgehen der Kreditkartenfirmen eine der wichtigsten Massnahmen, denn jedes Unternehmen, das Zahlungen per Kreditkarte akzeptiert, schliesst Verträge mit den Kartenfirmen, in denen enthalten sein muss, welche Geschäfte so abgerechnet werden. Freilich wird dies verschleiert, indem die Kinderporno-Anbieter zugleich als Verrechnungsfirma fungieren, die eigentlich zum Schutz der Daten eines Kundes zwischen diesen und seinen Geschäftspartner geschaltet wird.
Logisch, dass im Fall Kinderporno die Betreiber solcher Webseiten über die Verrechnungsfirmen auch Druckmaterial gegen ihre Klienten besitzen. Jede/r kann etwas dazu beitragen, dass Kreditkartenfirmen ihre Vertragspartner genauer unter die Lupe nehmen. Nämlich, indem man/frau als Karteninhaberin entsprechende Auskünfte verlangt. Ansonsten ist es für Nicht-InsiderInnen aber nicht so einfach, etwas gegen Kinderpornografie zu unternehmen, da etwa nach deutschen Erfahrungen nur ca. 10% der Hinweise aus der Bevölkerung tatsächlich Volltreffer sind. Bei einem medial immer noch oft tabusierten oder nicht so ernstgenommenen Thema ist es auch kein Wunder, dass sich im Bewusstsein der Menschen keine "allgemeingültige" Definition etabliert hat.
Als Haide sich erstmals mit der Materie befasste, kam sie übrigens im Mainstream kaum vor, sodass die ersten Texte in feministischen Publikationen auftauchten. Seit dem Jahr 2000 ist nicht nur eine Zunahme von Bildern im Internet zu beobachten, sondern auch, dass diese Darstellungen immer dreister werden. Zuerst waren es Abbildungen von Mädchen vor einem komponierten Hintergrund, bis dann immer mehr ausgezogene Kinder gezeigt und schliesslich Mädchen mit gespreizten Beinen fotografiert wurden. In Österreich ist sowas durchaus legal, da bei uns nach einem OGH-Urteil irgendwie sichtbar sein muss, dass das Kind vom Fotografen genötigt wurde.
Bei den "harmloseren" Bildern zu Beginn war meist deutlich, dass die Kinder aus "normalen" Verhältnissen stammen, während nun vor sehr oft eindeutig vernachlässigte, unterernährte, auch geschlagene Kinder - z.B. aus Südamerika oder Russland - abgelichtet wurden. Teilweise werden solche Bilderserien auch mit einer Mitleidsmasche beworben, weil die Kinder angeblich nun gut versorgt und medizinisch betreut werden. Zwar konsumiert jeder, der Kinder missbraucht, auch derartige Bilder, doch ist der Umkehrschluss nicht zulässig, dass jeder Bilderkonsument sich auch real an Kindern "vergeht". Haide meint, die Bilder können aber durchaus als "Einstiegsdroge" bezeichnet werden, zumal die User ja auch ihre verqueren Ansichten in den Newsgroups austauschen.
Im Buch finden sich immer wieder Zitate, welche die gigantische Verleugnung und Verdrängung der Täter widerspiegeln. Haide konnte einem Mädchen, der deutschen "Marion", konkret helfen, da sie dann aufgrund von Bildern und einer Fahdung bei Aktenzeichen xy aufgespürt und der Missbraucher verhaftet wurde. Die Pädophilen, die sich selbst "pedos" nennen, diskutieren virtuell darüber, ob das Mädchen nicht in Wahrheit von Therapeuten und dem Bundeskriminalamt traumatisiert werde und sich im Übrigen bald als "Nutte" auf dem Strich wiederfindet. Und sie sind gegen "Snuff"-Filme, in denen Kinder getötet werden, "weil man sie dann nicht mehr ficken kann".
Haide fasst auch zusammen, was er in seiner Recherche über einzelne User erfahren hat: "ganz normale Männer", oft mit Berufen, die ihnen einen leichten Zugang zu Kindern und Jugendlichen bieten. Beliebt ist anscheinend auch die Ehe mit einer Frau, die eine kleine Tochter hat, wobei die Mütter den Missbrauch häufig nicht bemerken. Allerdings frage ich mich als Leserin schon, was sich bspw. eine Mutter dachte, die einem der Newsgroup-Männer im Zug in Deutschland begegnet ist: der Mann begleitete die sechsjährige Tochter nämlich drei Mal auf die Toilette, wo er ihr zuerst seinen steifen Schwanz zeigte, sich einen runterholte, und sie dann anleitete, ihn zu wichsen.
Sollte eine Frau nicht misstrauisch sein, wenn ein Mann, den sie gerade kennengelernt hat, sich drum reisst, mit der Kleinen aufs Klo zu gehen? Damit die "pedos" einander solche "Erlebnisse" berichten können, verwischen die Betreiber der Webseiten ihre Spuren. Domains werden schon auch mal alle zwei Wochen gewechselt, die registrierten User davon per Rundmail in Kenntnis gesetzt. Wenn eine Domain bspw. in Russland registriert ist, kann der Server mit den Daten in den USA liegen. Oder sie ist via Brüssel eingetragen mit verwendetem Server in Tel Aviv. Verbunden mit der Tatsache, dass die Bilder mit neuester digitaler Technik gemacht und pro Monat ca. 200-300 Burschen und die ebenso grosse Anzahl an Mädchen fotografiert werden, die Webseiten ständig aktualisiert werden, den Server und die Domain wechseln, kann das nicht das Hobby von ein paar unbelehrbaren "pedos" sein.
Es sind also international vernetzte Strukturen samt entsprechender Infrastruktur erforderlich. Den "harten Kern" der Fotografen schätzt Haide auf drei bis fünf Personen, die im Auftrag und extrem gut bezahlt arbeiten. Dazu kommen noch in den Newsgroups angebotene Filme, auf denen Kinder vergewaltigt werden, häufig von den eigenen Vätern oder Stiefvätern.... Weltweit werden laut UNICEF pro Jahr 11 Milliarden Euro mit Kindersextourismus und Kinderpornografie im Internet umgesetzt. Zwar werden immer wieder Täter dingfest gemacht und Hausdurchsuchungen durchgeführt, doch sind die Fahnder üblicherweise mindestens einen Schritt hinterher. Unter anderem auch, weil Datenmaterial nicht weltweit vernetzt wird, sodass Programme, die Unmengen an Bildern binnen kurzem durchchecken, nie alles an Vergleichsdaten heranziehen können, das Polizeibehörden bekannt ist.
Kritisch sieht Haide auch die "Operation Landslide", die als grosser Schlag gegen Kinderschänder gefeiert wurde. Dabei stand am April 2002 bei mehr als 300 ÖsterreicherInnen frühmorgens die Polizei vor der Tür. Dies deshalb, weil amerikanische Behörden drei Jahre zuvor die Internetfirma eines Ehepaars stürmten, deren Kundendatei mehr als 250.000 Namen weltweit umfasste. Nach der Auswertung dieses Materials führten hiesige Behörden bei den österreichischen Kreditkarteninhabern Beschlagnahmungen durch. Allerdings auch bei Menschen, die ihre Kreditkarten längst als gestohlen gemeldet hatten, bei Journalisten wie Haide und bei Sexualwissenschaftern wie Rotraud Perner. Haide, der ohne Computer und mit einem unguten öffentlichen Verdacht dastand, baute sich wieder auf, indem er sich einen Laptop besorgte und begann, das nun vorliegende Buch zu schreiben.
Ironischerweise hielt er ein paar Tage vor der Polizeiaktion noch einen Vortrag vor deutschen Polizisten in Düsseldorf, bei dem es um erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Journalisten und Behörden ging. Aus seiner Sicht kann die Polizei auf zweierlei Art agieren: entweder auf vagen Verdacht hin beschlagnahmen - dann aber sofort aussortieren, wer zu Unrecht beschuldigt wird, dieser/m dann Computer etc. zurückgeben -, oder selbst undercover ermitteln und zuschlagen, wenn sehr konkreter Verdacht besteht, der kaum Unschuldige treffen kann. Allerdings sind Behörden in der Regel nicht nur technisch den international agierenden Tätern hintennach, ihnen sind vielfach auch im Gegensatz zu Journalisten die Hände gebunden.
Deutschen Ermittlern ist erst seit kurzem gestattet, bei derartigen Recherchen auch Kreditkarten einzusetzen. Wie auch schon vorgekommen ist, dass eher wahllos informierte Medienleute mit der Kamera in der Hand dabei waren, wenn die Polizei an die Tür klopfte, kann das Vorgehen bei "Landslide" Konsumenten in Deutschland aufgeschreckt haben, sodass sie ihr Material vorerst vernichtet haben. Haide berichtet jedoch über Erfahrungen mit Fahndung in den USA, dass jene, die nicht erwischt werden konnten, bereits am nächsten Tag unter einem anderen Namen wieder in den Newsgroups aktiv waren. Dreist verhalten sich auch als Produzenten Beschuldigte: so schrieb ein Russe, der den Behörden mehrmals durch die Lappen ging, einen im Web verbreiteten offenen Brief an Interpol, indem er sich als künstlerischer Fotograf bezeichnete und auf Ausstellungen verwies. Alexander Haide und andere engagierte JournalistInnen sowie Fahnder werden jedenfalls nicht aufhören, gegen die Hydra der Kinderschänder zu kämpfen.
Text: Alexandra Bader

