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Kinder vor sexuellem Missbrauch schützen!

14. März 2001

Nationale Konferenz gegen kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern

In der Polizeilichen Kriminalstatistik wurden 1999 in Deutschland insgesamt 19.436 Kinder als Opfer sexuellen Missbrauchs erfasst. Rund drei Viertel der Opfer sexueller Gewalt sind Mädchen. Zwei Drittel der sexuellen Gewalthandlungen gegen Kinder werden im familiären Umfeld begangen.  Zum sexuellen Mißbrauch zählt auch die kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern, wie Kindersextourismus, Kinderpornografie und Kinderhandel. 

Auf dem Stockholmer Weltkongress gegen die gewerbsmäßige sexuelle Ausbeutung von Kindern 1996 wurde dieses lang tabuisierte Thema erstmals in das internationale Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. In der von 122 Staaten unterzeichneten Erklärung heißt es unmissverständlich: 

"Jedes Kind hat ein Recht auf umfassenden Schutz vor allen Formen sexueller Ausbeutung oder sexuellen Mißbrauchs."

Damit wurde der Grundstein für verstärkte nationale Anstrengungen gelegt und die Bereitschaft zur internationalen Zusammenarbeit gefördert. Im Vorfeld des 2. Weltkongresses gegen kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern, der im Dezember 2001 in Yokohama/Japan stattfinden wird, veranstaltet das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend am 14. und 15. März 2001 in Berlin die Nationale Nachfolgekonferenz "Kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern". 

400 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Gesellschaft, Polizei, Justiz, Wirtschaft, Initiativen und Verbänden, sowie aus Wissenschaft und Forschung ziehen Bilanz über bisherige Erfolge und Defizite beim Kampf gegen sexuellen Mißbrauch von Kindern und erarbeiten Strategien für eine noch wirksamere Bekämpfung. Anlässlich der Eröffnung der Konferenz erklärt die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Dr. Christine Bergmann: "Sexueller Mißbrauch von Kindern und Jugendlichen, Kindersextourismus, Kinderpornografie und Kinderhandel sind abscheuliche Verbrechen. 

Sie haben schwerwiegende Folgen für Körper und Seele der Opfern. In vielen Fällen zerstören sie die Zukunft der Kinder auf Dauer. Wir wissen, dass diese Verbrechen weder vor der Familie noch vor nationalen Grenzen halt machen. Wir müssen Kinder und Jugendliche vor sexuellem Mißbrauch schützen und alle Formen sexueller Ausbeutung von Kindern bekämpfen, und zwar nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. 

Vor allem bei der Bekämpfung von Kindersextourismus und Kinderpornografie ist eine verstärkte internationale Zusammenarbeit erforderlich. Wir müssen die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Strafverfolgung im internationalen Kontext so weit wie möglich angeglichen werden. Insbesondere im Bereich der Kinderpornografie bedarf es eines weltweit gültigen Übereinkommens zur Computer- und Datennetzkriminalität, in dem strafrechtliche Mindeststandards und einheitliche Rechtshilferegelungen verbindlich festgelegt werden. 

Denn nur so lässt sich die zunehmende Ausbreitung der Kinderpornografie eindämmen." In den vergangenen Jahren hat es eine Reihe von Fortschritten im Kampf gegen sexuellen Mißbrauch von Kindern gegeben. Nach dem Stockholmer Weltkongress 1996 hat die Bundesregierung gemeinsam mit Nichtregierungsorganisationen ein nationales Arbeitsprogramm mit konkreten Maßnahmen gegen Kindesmissbrauch, Kinderpornografie und Sextourismus vorgelegt. Damit war Deutschland eines der ersten Länder, das die in Stockholm eingegangenen Verpflichtungen erfüllt hat. Im Bereich der Gesetzgebung, bei der konkreten polizeilichen Bekämpfung, bei der internationalen Zusammenarbeit, aber auch bei der Aufklärung und der Sorge für die Opfer wurden seither vielfältige Maßnahmen zur Verbesserung des Schutzes von Kinder getroffen. 

"Wir brauchen Netzwerke gegen Kindesmissbrauch. Alle, die sich gegen Kindesmissbrauch engagieren, Beratungsstellen, Polizei, Justiz und Wissenschaft müssen stärker als bisher miteinander vernetzt werden," so Bundesministerin Bergmann weiter. 

"Wichtig ist mir auch eine stärkere Präventions- und Aufklärungsarbeit, damit solche Verbrechen verhindert und Kinder frühzeitig geschützt werden können. Wir wollen die Mauer des Schweigens durchbrechen. Kinder und Jugendliche müssen in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt werden, damit sie sich besser gegen sexuelle Übergriffe wehren können und geeignete Beratungs- und Hilfsangebote in Anspruch nehmen. Die in Deutschland vorhandenen Angebote müssen im Hinblick auf wirkungsvolle Interventions- und Präventionsstrategien weiterentwickelt werden."

Quelle: Pressestelle BMFSFJ Pressemitteilung Nr. 268 Veröffentlicht am 14. März 2001

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