anti-kinderporno.de

Der Kindersex-Mafia das Handwerk legen

Statement des GdP-Bundesvorsitzenden Hermann Lutz anläßlich der Pressekonferenz zur Vorstellung des Buches "Grünkram" von Adolf Gallwitz und Manfred Paulus, erschienen im Verlag Deutsche Polizeiliteratur der Gewerkschaft der Polizei am 20. März 1997 in Bonn, Presseclub.

Weit bevor die Sexualmorde in Belgien Europa erschütterten und der Mord an der kleinen Kim eine Debatte über die Verschärfung des Sexualstrafrechts in Gang brachte, wurde in unserem Hause die Idee von Prof. Gallwitz und Kriminalhauptkommisar Paulus aufgegriffen, die Themenbreite der polizeilichen Fachliteratur unseres Verlages um ein Buch zu erweitern, das jetzt vor Ihnen auf dem Tisch liegt.

Beide Autoren - der eine ist Leiter der Forschungsgruppe "Sexuelle Gewalt" und lehrt an der Hochschule für Polizei in Villingen-Schwenningen, der andere leitet den Deliktsbereich "Sexualstraftaten" bei der Kriminalpolizei Ulm - haben uns sehr rasch davon überzeugen können, daß Polizei, Politik und Gesellschaft dringend für eine besonders verabscheuungswürdige Kriminalität sensibilisiert werden müssen, die in ihrem Ausmaß und ihrer Intensität völlig unterschätzt wird und quasi unter unser aller Augen stattfindet.

Mitten in unserem Rechtsstaat tummelt sich eine Pädophilen- und Päderastenszene, die - hochorganisiert - mit der "Ware Kind" handelt. Die Ereignisse in Belgien, Deutschland und Frankreich in den letzten Monaten sind nach Auffassung der Autoren nur die Spitze eines Eisberges. Wie immer, wenn besonders entsetzliche Straftaten die Bevölkerung beunruhigen, neigt die Politik zu raschen, aber nicht immer der Sache angemessenen Reaktionen. Sie erschöpfen sich in der Regel in der Heraufsetzung von Strafen für diese
einschlägigen Delikte.

Viel wichtiger aber ist es, zum Schutz unserer Kinder ein Tabuthema im öffentlichen Bewußtsein zu verankern und über Arbeitsweisen, Verbindungen und Netzwerke dieser Kindersex-Mafia aufzuklären; die Täter zu verfolgen und zu überführen. 

Die aktuelle Diskussion um das Sexualstrafrecht und eine Veränderung des Strafrahmens für Sexualdelikte hat nämlich zunächst einmal überhaupt keine Konsequenzen für die polizeiliche Ermittlungsarbeit - es sei denn die begrüßenswerte indirekte Folge, daß ein hoch strafbewehrtes Delikt auf die Strafverfolgungsbehörden einen höheren gesellschaftlichen Druck verursacht und die Polizei eher in die Lage versetzt, mehr Sach- und Personalressourcen für die Aufklärung zu aktivieren. Immer vorausgesetzt, diese Ressourcen seien vorhanden!

Das Ihnen vorliegende Buch faßt die Auswertung von Ermittlungsunterlagen, die Ergebnisse von Befragungen der Täter und Opfer mit sozialwissenschaftlichen Erkenntnissen zusammen. dieses Thema aufzugreifen, war nicht zuletzt auch deshalb erforderlich, weil bisherige Veröffentlichungen entweder von Pädophilen selbst stammen, oder aber nur Teilbereiche wie z.B. die Problematik der Datennetze oder einzelne Verfahren zum Inhalt haben.

Sie haben richtig gehört:
Die Täter sind nicht die leicht erkennbaren schmierigen und perversen Typen, vor denen man die Straßenseite wechselt, sondern oft Mitglieder unserer Gesellschaft mit hohem sozialen und wirtschaftlichen Status. Sie sind honorig und angesehen und gefeit vor einschlägigen Verdächtigungen. Sie haben Geld.

Und:
Sie stehen nicht an den Spielplätzen oder kommen aus dem Gebüsch, sondern befinden sich in unser aller Umfeld. sie stammen zu 80 v.H. aus dem sozialen Nahbereich. Das ist der Grund, weshalb Kinder sich so schwer gegen sie wehren können, wenn es noch Zeit ist und warum sie so selten ernst genommen werden, wenn sie versuchen, den Erwachsenen unheilvolle Erfahrungen mitzuteilen.

Das ist der Grund, weshalb die Autoren des vorliegenden Buches schätzen, daß die 1995 polizeilich registrierten rund 16 000 Fälle sexuellen Mißbrauchs um ein bis zu zehn- bis 20faches höher vermutet werden müssen.

Die im Zuge der Veränderung des Sexualstrafrechts diskutierten Mindest- und Höchststrafen und der Zwang zur Therapie werden die gut getarnte organisierte Kindersex-Mafia nicht abschrecken. Moderne Technologien, eine liberale und eher marktwirtschaftliche Sichtweise auf pornographische Darstellungen sowie eine unersättliche Nachfrage nach "Grünkram" oder Frischfleisch" in gedruckter, gefilmter oder natürlicher Form macht den Tätern das lukrative Geschäft leicht. Allein in Deutschland schätzen die Autoren rund 50 000 ständige Konsumenten kinderpornographischer Erzeugnisse.

Auch das "Angebot" an "Frischfleisch" ist groß uns wächst mit der Armut auf dieser Welt. Es sind nicht immer "Rabeneltern" aus Ländern im Fernen Osten, Indien, der Dominikanischen Republik, oder aus Schwellenländern wie Rumänien, Tschechien und dem ehemaligen Jugoslawien, aus den Asylbewerberheimen oder Notunterkünften bei uns, die ihre Kinder den Kinderschändern verkaufen.

Bittere Armut treibt sie dazu. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen schätzt die Zahl der Kinderprostituierten weltweit auf zwei Millionen,

600 000 bis 800 000 in Thailand,
250 000 bis 500 000 in Brasilien,
400 000 in Indien und
50 000 bis 100 000 auf den Philippinen.

Schätzungen fehlen aus Mexiko, Marokko, Tunesien, Kenia und den Ländern Ost- und Südeuropas.

Allein 100 000 Sextouristen machen sich jährlich von unserem Land aus auf in die Ferienparadiese wegen ihrer einschlägigen sexuellen Absichten. Auch die Herstellung von Kinderpornographie ist sexuelle Gewalt an Kindern. Ohne sexuelle Gewalt ist die Herstellung solcher Fotos oder Filme nicht möglich.

Der Handel rund um den Globus floriert. Für die Strafverfolgungsbehörden ist dagegen oft die Reise an der Grenze unsere Landes zu Ende. Zwar ermöglicht die Strafrechtsreform von 1993 auch die Verfolgung von Straftaten, die Deutsche im Ausland begehen, aber das ist oft eine rein theoretische Möglichkeit.

Die Gewerkschaft der Polizei fordert daher die Entsendung von Verbindungsbeamten in die Länder , die von Kinderhändlern und Sextouristen aufgesucht werden. Derartige Verbindungsbeamte haben in der Bekämpfung der internationalen Rauschgiftkriminalität erhebliche Erfolge verbucht und können auch helfen der Kindersex-Mafia das Handwerk zu legen.

Sie fordert die Bundesregierung auf, Rechtshilfeabkommen mit diesen Ländern zu schließen, um eine erfolgreiche Strafverfolgung zu gewährleisten. Die allein beim Bundeskriminalamt eingerichtete Fachdienststelle "Kinderpornographie" muß personell ausgebaut werden.

Fachdienststellen dieser Art sollten nach Auffassung der Gewerkschaft der Polizei in jeden Landeskriminalamt eingerichtet werden. Gerade die Möglichkeiten, die das Internet dem abscheulichen Geschäft mit der "Ware Kind" bietet, erfordert personal- und sachintensive dezentrale und regionale Recherchen in den Netzen.

Wir brauchen mehr Leute, die mit mehr Zugangsmöglichkeiten in den Netzen recherchieren können. Die Verjährungsfrist von 6 Monaten für Kinderpornographie ist nach unserer Auffassung ein Witz. Diese Frist zwischen Tatentdeckung und Anklage ist in den seltensten Fällen zu gewährleisten.

Höhere Strafen und die Forderung nach einer ausreichenden Zahl an Therapieplätzen für Straftäter können nicht die einzige Antwort auf die Umtriebe der Kindersex-Mafia sein. Diese Kriminalität bedarf eines hohen Stellenwertes in unserer Gesellschaft als Voraussetzung dafür, daß Polizei und Justiz die Befähigung , Mittel und Möglichkeiten erhalten, dem Handel mit Kindern und Kinderpornographie das Handwerk zu legen.

Herausgeber: 
Gewerkschaft der Polizei, Bundesvorstand, Pressestelle, Forstraße 3a, 40721 Hilden 
Pressesprecher: Rüdiger Holecek,

nach oben