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Die dunkle Seite im Internet - Geschäfte mit Pornographie von Kindern

Kinderpornographie: Allein der Begriff ist eine Bagatellisierung, denn was ist pornographisch, wenn zwei bis dreijährige Kinder sexuell missbraucht werden? Besonders im Internet werden immer häufiger Bilder und Videos brutalster Darstellungen verdealt, die Zahl der Seiten wächst täglich.

Schnappschüsse sexueller Gewalt gegen Kinder sind bei weitem nicht die schlimmsten, was an Kinderpornographie im Internet angeboten wird. Immer mehr Deutsche finden Gefallen an Dokumentationen von Folter, selbst an den Kleinsten. Seit 1995 ist man im Polizeipräsidium München auf diese Form der Kriminalität spezialisiert. Immer häufiger kommt es zu Beschlagnahmungen, und die Wünsche der Internetgemeinde werden immer perverser.

Je grausamer, desto teurer

Der Leiter der EDV-Beweismittelsicherung des Polizeipräsidiums München, Karlheinz Moewes, kennt die Szene: »Es ist festzustellen, dass die Opfer immer jünger werden, dass also scheinbar der Geschmack der Verbraucher dahin gehend ist, dass - Tatsache - immer jüngere Kinder missbraucht werden, und das vorgeführt wird. Wenn Sie in die einschlägigen Gruppen im Usenet schauen, stellen sie vermehrt die Darstellung von dem Mißbrauch von Kleinstkindern und Säuglingen fest. Ich weiß nicht wie krank man sein muss, um für solches Material überhaupt zu bezahlen. Es ist aber festzustellen, je grausamer die Bilder sind, wenn man also von Entjungferungsszenen ähnlichem mehr ausgeht, dass dann scheinbar Preise entsprechend steigen.« Das Fazit lautet: je grausamer desto teuerer.

Bei Sammlern kinderpornographischer Bilder sind junge Mädchen in Ketten, die für sadistische Fotoserien herhalten müssen, besonders beliebt. Inzwischen haben sich Anbieter weltweit auf Kinderpornographie online spezialisiert. Die Angebote auf einschlägigen Seiten reichen von Inzestbildern, den sogenannten Familienfotos, bis zu Bildserien, die mit erst zweijährigen Opfern werben

Rasante Expansion

Das Bundeskriminalamt in Wiesbaden bestätigt eine rasante Expansion der Angebotspalette online. Dazu Bernd Roßbach, BKA: »Im Bezug auf den sexuellen Missbrauch von Kindern ist es so, dass wir eine Stillstandssituation auf sehr hohem Niveau haben. Anders stellt sich das im Hinblick auf Besitz und Verbreitung von Kinderpornographie dar. Hier ist eine eindeutige Steigerung zu registrieren. Die wird ergänzt durch eine spezielle Statistik, die wir in meinem Bereich führen, im Bezug auf qualifizierte Kinderpornographie im Internet mit Auslandsbezug. Hier ist es also so, dass wir sogar eine mehrere 100 Prozent starke Steigerung verzeichnen.«

Der derzeitige online-Hit sind Babysex-Angebote. Mit dem angeblich größten Kinderpornoarchiv der Welt, wirbt diese russische Seite. Hier werden selbst einjährige Kleinkinder missbraucht. An anderer Stelle wirbt die Homepage mit Zitat: »drei/vier Jahre alten Mädchen in voller Aktion«. Laut Bernd Roßbach werde man als Ermittler von einer Flut an neuen Bildserien überschwemmt. Es sei bereits sehr schwierig die alten Serien angemessen zu klassifizieren und für die Ermittlung nutzbar zu machen, da eine sehr starke Steigerung feststellbar sei. Man habe inzwischen Fälle, wo bei einer Person 70-100.000 Dateien aufgefunden seien, so der Beamte.

Der Inhalt der Webseiten birgt unglaubliche Motive: kleine Kinder gezwungen zum Sex mit Gleichaltrigen und sogar zur Sodomie mit Hunden. So werden Kinderseelen zerstört. Gerstendörfer ist Psychologin und engagiert sich für den Verein »Lobby für Menschenrechte e. V.«. Ihrer Meinung nach können die missbrauchten Kinder in der Regel nie eine normale, geschweige denn eine freudvolle Sexualität haben, da diese eben an brutale Gewalterlebnisse gekoppelt sei.

Psychische und physische Qualen

Neben der psychischen Komponente leiden die Kinder auch an rein körperlichen Qualen, so die Psychologin: »Wenn Sie an kleine Kinder denken, die penetriert wurden, ob mit Gegenständen oder durch den Penis eines erwachsenen Mannes, dann haben die Jungen einen zerfetzten Anus und die Mädchen und Jungen haben zum Teil zerstörte Nieren, geplatzte Vaginas und so weiter und so fort. Und diese physischen Schäden gekoppelt mit den psychischen Schäden sind absolut krass.«

Aber nicht nur Gewaltfotos werden getauscht und verramscht. Ganze Videoclips sind online abrufbar. Ein Zustand, der für Beate und Udo Blumenthal unerträglich ist. Beide waren in ihrer Kindheit selbst Opfer sexueller Gewalt. 1999 gründeten sie den Verein »Anti-Kinderporno e.V.«.

Udo Blumenthal fühlte sich im ersten Moment sehr hilflos, als er die Bilder im Internet sah. Er wollte und konnte nicht abschalten, die Sache auf sich beruhen lassen: »Sofort ging die Frage durch den Kopf: Was tut man gegen diese Bilder, wie kann man etwas tun? Keiner gibt zu, dass es diese Bilder gibt. Und mehr und mehr wird man im Kopf immer wieder mit dem eigenen Missbrauch konfrontiert. Der eigene Missbrauch wird immer wieder im Kopf durchlebt, und es ist sehr, sehr schwer da zu trennen zwischen der virtuellen Welt und der eigenen erlebten Welt.«

Kick nach drastischen Erlebnissen

Heute helfen Blumenthals Missbrauchsopfern und bringen Kinderpornos zur Anzeige. Ihre Sorge gilt aber nicht nur den im Internet zur Schau gestellten Kindern, sondern auch Opfern von morgen. »Die virtuelle Welt macht harte Kunden überhaupt nicht satt. Der Drang das gesehene live auszuleben, und der Kick nach immer härteren und drastischeren Erlebnissen steigt,« sagt Udo Blumenthal

Besonders besorgniserregend sind dabei chat-Räume, in denen die Täter ihre Gewaltphantasien offen aussprechen. In einem heißt es beispielsweise, Zitat: »Ich liebe die Kinder, ich schlafe mit den Kindern, ich ermorde die Kinder.« Trotz der eindeutigen Drohungen und Posen im Internet, bewegen sich viele Kriminelle in Deutschland auf sicherem Boden. Hier herrscht eine altmodische Gesetzgebung, die Jugendminister jetzt ändern wollen.

Juristische Lücke

Die rheinland-pfälzische Jugendministerin, Dr. Rose Götte, kennt die juristische Lücke: »Ein großes Problem, mit dem wir es ständig zu tun haben, ist die Altersgrenze. Kinderpornographie ist verboten für Kinder bis zu 14 Jahren. Nun wird uns aber oft gesagt, bei scheußlichen Bildern, die wir sehen, dieses Kind, das dort pornographisch missbraucht wird, ist in Wirklichkeit schon 15 gewesen. Wir müssen deswegen die Altersgrenze hoch setzen im Gesetz, dass die Kinderpornographie bis zum Alter von 16 Jahren verboten wird.«

Die Arbeitsstelle “Jugendschutz.net” analysiert im Auftrag der Jugendministerien der Länder die jugendgefährdenden Seiten im Internet und stellt einen enormen Anstieg der Nachfrage fest. “Wir haben auf einigen Seiten, die nackte Mädchen halt präsentieren, Zähler gefunden, die 25.000 bis 30.000 Seitenaufrufe pro Tag gezeigt haben,” sagt Friedemann Schindler.

Webfassung von Dara Hassanzadeh 16. Oktober 2000

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