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Kapitelauszug aus:
Laszig. P. (1992): Langzeitfolgen sexuellen Missbrauchs an Jungen - Physische und psychische Auswirkungen bei erwachsenen Männern. Unveröffentliche Diplomarbeit am Psychologischen Institut der Universität Heidelberg.

5.2.1. Untersuchungsergebnisse

Mangels deutschsprachiger Untersuchungen werden im Folgendem die Ergebnisse der empirischen Studien von Finkelhor (1979), Russel (1986) und Finkelhor (1988) gegenübergestellt. Die Auswahl dieser Untersuchungen wurde unter mehreren Gesichtspunkten getroffen; inwieweit Frauen in Relation zu Männern TäterInnen sind, inwieweit Jungen als Opfer betroffen sind und welche spezifischen Charakteristika bei sexuellem Mißbrauch durch Täterinnen existieren. 

Die Untersuchung von Finkelhor (1979)

In Finkelhors Untersuchung von 1979 war das Durchschnittsalter der Täterinnen 22,1 Jahre (bei männlichen Tätern 29,4 Jahre). In 67% der Fälle waren die sexuellen Kontakte homosexuell, also gegen Mädchen gerichtet (im Vergleich zu 14% gleichgeschlechtlicher Kontakte bei männlichen Tätern). 

"Aside from these differences, the female partners are remarkable in their similarity to the male. They approach children whose average age is about the same. They both are members of the children's family in about the same proportions. There is little difference in the kinds of sexual activities they ingage in. They both are the initiators of the activity in an overwhelming number of experiences. They use force, when they do so, equally often, and the relationships with male and female older partners last about the same length of time." (Finkelhor 1979, 79) 

Trotz dieser weitgehenden Übereinstimmungen kommt Finkelhor (1979) zu dem Schluß: 

"Women provoked much less fear in the children they approached than men did (20 percent for women compared to 62 percent for men). The children were more likely to be interested by the experience (40 percent compared to 13 percent), and they also reported fewer negative feelings about it in retrospect (40 percent versus 68 percent)." (Finkelhor 1979, 79

Nachträglich wird diese Aussage von ihm eingeschränkt, da die Mehrzahl der untersuchten Opfer Jungen waren und diese allgemein weniger negative Erfahrungen berichten als Mädchen. Ein weiteres (methodisches) Problem war durch die Stichprobengröße bestimmt, welche auf fünfzehn "instances of sexual experiences with substantially older women" (Finkelhor 1979, 80) beschränkt war. 

Die Untersuchung von Russell (1986)

Ebenso wie Finkelhor (1979) kommt Russell (1986) in ihrer Untersuchung mit sexuell mißbrauchten Frauen zu dem Ergebnis, daß Täterinnen signifikant jünger als (männliche) Täter sind. 

44% der Täterinnen in ihrer Studie waren jünger als fünfzehn Jahre (17% der Männer) und nur 22% der Täterinnen älter als zwanzig Jahre (71% der Männer). (Auch hier taucht meiner Meinung das Problem der Stichprobengröße auf, da z.B. die angegebenen 22% gleichbedeutend mit der Anzahl von zwei Frauen sind). 

Insgesamt geht sie davon aus, daß der sexuelle Mißbrauch durch Frauen weniger traumatisch für die Opfer ist, als der durch männliche Täter. Als Begründung führt sie an: 

"There was less force or violence associated with sexual abuse by female relatives. The sexual abuse was more likely to occur once only and less likely to occur over a long duration. The age difference between the victim and perpetrator was smaler with female relatives than with male relatives. And the sexual abuse never occured at the most severe level of violation for female relatives (...)." (Russell 1986, 305

In Bezug auf die Häufigkeit kommt sie anhand einer Literaturübersicht zu dem Ergebnis, daß intra- und extrafamiliär nur 5% des sexuellen Mißbrauchs an Mädchen und 20% des sexuellen Mißbrauchs an Jungen von Frauen verübt wird. 

Die Untersuchung von Finkelhor (1988)

Demgegenüber möchte ich die Untersuchung von Finkelhor (1988) "Nursery Crimes - Sexual Abuse in Day Care" stellen. In den USA bezeichnet "Sexual Abuse in Day Care" sexuellen Mißbrauch in staatlichen und privaten Einrichtungen, welche mit Kindern unter sechs Jahren arbeiten z.B. Tagesstätten, Kindergärten, Vorschulen etc. 

Auffallend ist, daß der Anteil von Frauen als Täterinnen in dieser Untersuchung ungleich höher ist, als in den zuvor erwähnten Untersuchungen. Frauen waren in 96 (36%) der 270 untersuchten Fälle die Täterinnen. In diesen 96 Fällen wurden insgesamt 147 Täterinnen ermittelt, was einem Frauenanteil von 40% entspricht. 

Von den 293 sexuell mißbrauchten Jungen wurden 59% von (mindestens) einer Frau sexuell mißbraucht, von den 471 Mädchen wurden 50% von Frauen sexuell mißbraucht. Die große Anzahl der Frauen als Täterinnen erweist sich jedoch als wenig überraschend, wenn man bedenkt, daß Frauen den Großteil der Beschäftigten in diesem Bereich bilden. Insofern ist eher die unproportional hohe Anzahl von männlichen Tätern bedenkenswert, die in keiner Relation zu deren Beschäftigungszahl steht. 

Als wichtiger Faktor ist zu erwähnen, daß in den Fällen in denen Frauen als Täterinnen beteiligt waren, fast die Hälfte, nämlich 47% "multiple-offender cases" waren (s.a. Täterinneneinteilung). 73% der Frauen mißbrauchten die Kinder zusammen mit weiteren TäterInnen; "sometimes in a single-sex (all female) group but more commonly in a group involving a number of women and only one or two men" (Finkelhor 1988, 42). (Auf die Beteiligung von männlichen Tätern wird weiter unten noch genauer eingegangen)

Finkelhor (1988) kommt demzufolge zu dem Ergebnis, daß Frauen eher als Männer, mehrere Kinder sexuell mißbrauchen und das über einen längeren Zeitraum. 

"Only 8% of female perpetrators commited a single incident of abuse, in contrast to male perpetrators, 33% of whom abused only one child a single time." (Finkelhor 1988, 43) 

Im Gegensatz zu den obengenannten Ergebnissen von Russell (1986) kommt Finkelhor (1988) zu folgendem Schluß: 

"Women were significantly more likely than men to commit multiple sexually abusive acts and acts involving sexual penetration (sexual intercourse, fellatio, cunnilingus, anal intercourse, or anal or vaginal penetration with finger and object) (...). Women were also more likely to use force and threats of force (...) (and) were significantly more likely than man to have forced children to sexually abuse others and to have participated in ritualistic mass abuse." (Finkelhor 1988, 43 ff.) 

Autor:
Parfen Laszig (Dipl.Psych.)
Psychosomatische Klinik, Universitätsklinikum Heidelberg

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