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Kampf gegen Kinderpornografie und Kindesmissbrauch Das Buch ist erschienen im Kleindienst-Verlag, - auf der Webpage gibt es auch weiterführende Infos zum Thema, hat die ISBN 3-9501151-7-X, 193 Seiten und kostet E 19.90.-. Im Anhang gibt es umfangreiche Texte von Rotraud Perner, dem Medienjuristen Ernst Swoboda, von Anton Schmid und Pinterits von der Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft, von der Verlegerin Barbara Mucha und von Holger Kind, Internetfahnder des deutschen BKA
anti-kinderporno.de
Das Geschäft mit der Ware Kind
Aus dem Alltag eines Fahnders
10/02 2000
Eine Reportage von Gretl Brand
Redaktion: Heribert Schwan
Nach Angaben des Bundeskriminalamtes werden in Deutschland jährlich über 200.000 Kinder sexuell misshandelt. Die Altersgrenze ist nach unten offen. Immer häufiger werden sogar Babys mit unvorstellbarer Brutalität vergewaltigt. Die Täter stammen aus allen sozialen Schichten. Zu 90 Prozent sind es Bekannte und Verwandte, oft die leiblichen Eltern. Viele von ihnen halten ihre Verbrechen auf Fotos oder Videos fest, tauschen die Aufnahmen mit "Gleichgesinnten" und handeln damit.
Kinderpornografie ist ein florierendes Geschäft geworden, dessen Gewinne sich mit dem internationalen Drogenhandel vergleichen lassen. Experten beziffern den weltweiten Umsatz auf mehr als fünf Milliarden Mark im Jahr - Tendenz steigend. Die Branche ist mafia-ähnlich organisiert, operiert streng subversiv und nutzt die neuesten technischen Mittel.
Besonders die Verbreitung über das Internet stellt die Polizei vor eine fast unlösbare Aufgabe. Die Pädokriminellen nutzen die Anonymität und die schnelle Verbreitungsmöglichkeit. Nach Schätzungen der Polizei kursieren weltweit im Internet mindestens 15.000 kinderpornografische Bilder, etwa 300 Pädophile surfen laut Aussage des Präsidenten des deutschen Kinderschutzbundes pro Minute zu Websites mit kinderpornografischen Inhalten.
Gretl Brand hat einen Fahnder des Sittendezernats der Kölner Kripo mehrere Monate mit einem Kamerateam begleitet und seinen Arbeitsalltag dokumentiert.
Aus dem Alltag eines Fahnders
Kommissar Reiner Laschet ist seit zwei Jahrzehnten bei der Kölner Kripo für Sexualverbrechen zuständig. In den letzten zwölf Jahren ermittelte er ausschließlich gegen Kinderpornografie und gilt als einer der erfahrensten Spezialisten auf diesem Gebiet.
Hausdurchsuchungen bei Tatverdächtigen sind Teil seiner Arbeit. Bisweilen sind darunter "alte Bekannte", mit denen Reiner Laschet bereits mehrmals in Berührung gekommen ist: "Unverbesserliche", wie er sagt. Sie sind oft schon mehrfach verurteilt worden, und dennoch wird bei jeder neuen Hausdurchsuchung kistenweise belastendes Material beschlagnahmt. Danach beginnt für Reiner Laschet die eigentliche "Drecksarbeit": das Sichten, Dokumentieren und Bewerten des Beweismaterials.
In der Aservatenkammer der Kölner Kripo lagern Hunderte von Videos und CD-Roms, Stapel von Disketten und Festplatten, Fotos und Broschüren - die Ausbeute von ein paar Wochen Arbeit. Der Handel mit der "Ware Kind" ist ein florierendes Geschäft. Allein in der Bundesrepublik gibt es nach Schätzungen der Polizei ca. 60.000 Pädokriminelle, die diese "Ware" konsumieren, kaufen und verkaufen. Zwar wurde im April 1998 die Höchststrafe für den gewerblichen Handel auf fünf bis zehn Jahre angehoben. Doch bis heute wurde kein Urteil in dieser Höhe ausgesprochen. Der Besitz von Kinderpornografie wird mit höchstem einem Jahr Gefängnis geahndet. Häufig wird die Strafe zur Bewährung ausgesetzt oder in eine Geldbuße umgewandelt.
An die Hintermänner der Kinderpornografie, die Händler, heranzukommen, ist schwierig. Sie wickeln ihre lukrativen und schmutzigen Geschäfte im Untergrund ab. Ihre Kundschaft kommt aus allen sozialen Schichten. Reiner Laschet: "Es gibt eine ganz einfache Faustregel: Je jünger die kindlichen Opfer, je sadistischer die Handlungen an diesen Opfern sind, desto höher ist der Verkaufserlös der kinderpornografischen Machwerke. Das erklärt auch die Käuferschicht: von ganz unten nach ganz oben. Der Marktpreis für ein Video mit ausgeprägt sadistischen Folterhandlungen an Kinder bewegt sich teilweise in Bereichen von über 10.000 Mark."
Bei seiner Arbeit ist Reiner Laschet auf die Hilfe aus der Bevölkerung angewiesen. Da die meisten Pädokriminellen ihre Opfer fotografieren, kommen vor allem aus den Fotolabors viele Hinweise. EigenKinderpornos für sie hat die Kölner Kripo eine Broschüre entwickelt, um für das Thema Kinderpornografie zu sensibilisieren. Aber auch von manchen Internetbenutzern gehen Hinweise bei Reiner Laschets Dienststelle ein: etwa über den Erhalt von elektronischer Junk-Post, unverlangt eingegangener E-Mails mit angehängten kinderpornografischen Bildern.
Reiner Laschet gehört zu den erfahrensten Fahndern auf dem Gebiet der Pädokriminaliät im Internet. Das neue Medium ist zu einem Treffpunkt der pädokriminellen Sammler geworden, die hier ihre Bilder tauschen und erwerben, oder sich in den Chat-Foren der Szene zu Geschäften und Kontakten in der realen Welt verabreden. Reiner Laschet: "Ein konkretes Beispiel ist die Verabredung zum aktiven sexuellen Missbrauch gegen Bezahlung. Ein weiteres Beispiel ist das Angebot, eine kinderpornografische Videokassette zu verkaufen oder zu erwerben. Eine konkrete Form der Verabredung ist aber auch, dass man ein Kind anbietet, z.B. für einen Samstagabend, 5 Stunden 2.000 Mark." Und er kennt noch ganz andere Formen der kriminellen Nutzung des Internets: "Wenn man sich in den geschlossenen Kreis des Chatraums mit seinem Pseudonym einloggt, dann ist das ja so, dass weltweit zur gleichen Zeit Leute zu Hause vor dem eigenen Rechner sitzen und in diesem Chatraum in Echtzeit miteinander kommunizieren. Und einer von denen hat zu Hause eine Videokamera aufgebaut, hat angekündigt, dass er zu einer ganz bestimmten Zeit vor dieser Kamera ein Kind massiv sexuell missbraucht und diese Bilder gleichzeitig ins Internet einspeist. Und überall auf der Welt konnten die Leute, die in diesem Chatraum drin waren, live an diesem sexuellen Missbrauch teilnehmen."
Auch wenn Reiner Laschet seine Arbeit gelegentlich mit dem Kampf gegen die Hydra vergleicht - "für jeden Händler, den wir aus dem Verkehr ziehen, wachsen drei neue nach" - hat er anders als manche seiner Kollegen nicht resigniert. Unermüdlich versucht er den Sumpf des Verbrechens trocken zu legen, dessen Opfer die völlig Wehrlosen sind. Damit andere von seinen Erfahrungen im Kampf mit der Kinderpornografie profitieren können, hält der engagierte Kommissar bundesweit Vorträge. Zu seinen Zuhörern gehören Psychologen und Pädagogen, Staatsanwälte und Richter.
Informationsmaterial
Kinderpornografie - Das ist wie gefressen werden
Köln 1997 ISBN 3-928168-20-7
Die mit Förderung des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales herausgegebene Broschüre kann gegen eine Schutzgebühr von 2 Mark in Briefmarken bezogen werden über:
Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (AJS)
Landesstelle NRW
Poststr. 15-23
50676 Köln

