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Der Fall Dutroux
Seit 18 Jahren aktenkundig
Dutroux fiel immer wieder als Vergewaltiger und Entführer auf
4. Februar 1986:
Marc Dutroux und seine Frau Michelle Martin werden wegen verschiedener Vergewaltigungen verhaftet.
26. April 1989:
Dutroux wird zu 13,5 Jahren Haft wegen Vergewaltigung und Entführung verurteilt. Martin erhält als Mittäterin fünf Jahre Gefängnis. Sie kommt im August 1991 frei, Dutroux im April 1992.
Marc Dutroux wird wegen Vergewaltigung von fünf Mädchen und jungen Frauen zwischen zwölf und 19 Jahren zu dreizehneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.
1992
Wegen guter Führung kommt Dutroux frei.
Juli 1994 und Juli 1995:
Dutroux tritt laut Anklageschrift wieder als Vergewaltiger in Erscheinung. Opfer sind zwei junge Slowakinnen.
24. Juni 1995:
In der Nähe der belgischen Stadt Lüttich verschwinden die achtjährigen Freundinnen Julie Lejeune und Melissa Russo bei einem Spaziergang nahe ihrer Elternhäuser. Eine landesweite Suchaktion beginnt.
22./23. August:
In der Hafenstadt Ostende verliert sich die Spur der beiden Freundinnen An Marchal (17) und Eefje Lambrecks (19). Wegen ihres Alters sehen die Behörden zunächst keine Verbindung zum Verschwinden von Julie und Melissa.
13. Dezember:
Der Polizist René Michaux durchsucht Dutroux' Haus in Marcinelle und hört dabei die Schreie von Kindern. Michaux geht davon aus, dass die Schreie von draußen kommen. Zur selben Zeit sitzen Julie und Melissa in einem Kellerverließ des Hauses. Dutroux sitzt zu dieser Zeit wegen Autodiebstahls im Gefängnis.
28. Mai 1996:
Nahe dem westbelgischen Tournai verschwindet die zwölfjährige Sabine Dardenne auf dem Weg zur Schule.
9. August 1996:
Die 14-jährige Laetitia Delhez verschwindet im südbelgischen Bertrix nahe ihres Elternhauses. Erstmals geben Zeugen Hinweise auf einen weißen Kleinbus und Teile des Autokennzeichens. Der Halter kann ermittelt werden: Ein arbeitsloser Elektriker namens Marc Dutroux. Er war 1989 wegen Entführung und Vergewaltigung Minderjähriger zu 13 Jahren Haft verurteilt worden, wurde aber bereits 1992 vorzeitig entlassen.
12. August 1996:
Im Zusammenhang mit dem Verschwinden von Sabine und Laetitia nimmt die belgische Polizei Dutroux, seine Lebensgefährtin Michèle Martin und den mutmaßlichen Komplizen Michel Lelièvre fest.
15. August 1996:
Nachdem Dutroux ein Geständnis abgelegt hat, werden Sabine und Laetitia lebend in einem Haus des damals 39-Jährigen bei Charleroi in Südbelgien entdeckt. Die Polizei stellt pornografische Fotos, Filme und Videokassetten sicher. Die Behörden nehmen den ehemaligen Brüsseler Immobilienmakler Jean-Michel Nihoul unter Verdacht der Komplizenschaft fest.
17. August 1996:
Im Garten von Dutroux' Haus bei Charleroi werden die Leichen von Julie und Melissa gefunden. Die Mädchen waren verhungert.
18. August 1996:
Dutroux und Lelièvre gestehen die Entführung von An und Eefje.
3. September 1996:
In einem Schuppen nahe der Wohnung von Weinstein werden die Leichen von An Marchal und Eefje Lambrecks gefunden.
14. Oktober 1996:
Ein belgisches Gericht entbindet trotz anhaltender Proteste Untersuchungsrichter Jean-Marc Connerotte wegen Befangenheit des Falls. Er hatte an einem Wohltätigkeitsessen in Anwesenheit der Dutroux-Opfer Laetitia und Sabine teilgenommen.
17. Oktober 1996:
Das Parlament setzt einen Untersuchungsausschuss zur Dutroux-Affäre ein, der Mängel bei Polizei und im Justizsystem sowie individuelles Versagen bei der Fahndung feststellt.
20. Oktober 1996:
Bei dem so genannten "Weißen Marsch" demonstrieren in Brüssel rund 300.000 vorwiegend weiß gekleidete Menschen für eine rückhaltlose Aufklärung der Verbrechen.
23. April 1998:
Dutroux gelingt bei einem Besuch im Justizpalast von Neufchâteau die Flucht. Drei Stunden später wird er gefasst. Justizminister Stefaan De Clerck und Innenminister Johan Vande Lanotte treten zurück, fünf Tage später folgt ihnen Gendarmeriechef Willy Deridder.
Mai 2000:
Für den Fluchtversuch wird Dutroux zu fünf Jahren Haft verurteilt. Das Gericht in Neufchâteau begründet das Urteil damit, dass Dutroux während der Flucht Menschen bedrohze und Diebstähle beging.
19. Juni 2000:
Ein Gericht in Neufchâteau verurteilt Dutroux wegen Straftaten im Zusammenhang mit seiner Flucht zu fünf Jahren Haft.
22. April 2002:
Die Ermittlungen im Fall Dutroux sind offiziell abgeschlossen. Ungeklärt bleibt, ob Dutroux und seine Komplizen allein agierten oder Teil eines Pädophilen-Netzwerks waren, das im Auftrag von Kriminellen oder Politikern Kinder entführte und missbrauchte.
25. Juni 2002:
Ein Gericht in Mons verurteilt Dutroux zu insgesamt fünf Jahren Gefängnis wegen Brandstiftung, Diebstahl und Verdunkelung in einem Fall von Versicherungsbetrug.
30. April 2003:
Die Anklagebehörde in Lüttich übergibt das Verfahren gegen Dutroux, Martin und Lelièvre an das zuständige Schwurgericht in Arlon und klagt überraschend auch den Ex-Geschäftsmann Michel Nihoul mit an.
1. März 2004:
Siebeneinhalb Jahre nach der Festnahme von Marc Dutroux beginnt im südbelgischen Arlon der Prozess gegen ihn, seine inzwischen von ihm geschiedene Frau und die mutmaßlichen Komplizen Lelièvre und Nihoul.
17. Juni 2004:
Die Geschworenen-Jury urteilt, dass Dutroux Mitte der 90er Jahre zwei Mädchen sowie seinen damaligen Komplizen Bernard Weinstein ermordet hat. Er ist zudem als früherer Chef einer kriminellen Bande für die Entführung und Misshandlung von insgesamt sechs Mädchen verantwortlich. Auch die mitangeklagte frühere Ehefrau von Dutroux, Michelle Martin, und Dutroux' Komplize Michel Lelièvre müssen mit Haftstrafen rechnen.


