
Achtung Wichtig
Wir sind KEINE Meldestelle für Darstellungen sexueller Gewalt (Kinderpornografie). Bitten nutzen Sie eine der Meldeadressen
Fachstellen
Limita, Fachstelle zur Prävention sexueller Ausbeutung von Mädchen und Jungen, Zürich.
Tel.: 01- 450 85 20
Castagna, Beratungs- und Informationsstelle für sexuell ausgebeutete Kinder, weibl. Jugendliche und in der Kindheit betroffene Frauen, Zärich.
Tel.: 01 - 364 49 49
Ähnliche Stellen:
Triangel, Bern: Tel.: 031 - 332 14 14
Viva, Luzern: Tel.: 041 - 211 00 15
Opferhilfe, St.Gallen: Tel.: 071 - 223 48 77
Bei den Jugendsekretariaten und -beratungsstellen immer nach einer Ansprechperson fragen, die mit dem Thema «Sexuelle Ausbeutung» vertraut ist.
anti-kinderporno.de
Wenn Lehrer Täter werden
Machtgelüste
Weshalb suchen manche Erwachsene Sex mit Kindern? Die Meinung von Corina Elmer von der Fachstelle Limita.
«Brückenbauer»:
nehmen sexuelle Übergriffe in der Schule zu?
Corina Elmer:
kaum, wenn jedoch ein Fall publik wird, ermutigt dies oft weitere Opfer zum Reden. Vielleicht werden sie auch eher ernst genommen. Durchschnittlich müssen die Kinder sieben Menschen von ihren Erlebnissen erzählen, bis jemand reagiert. Jeder zweite Täter stammt aus dem sozialen Umfeld des Kindes, ist also ein Lehrer, Jugendgruppenleiter, Sporttrainer oder ein «Freund der Familie». Die übrigen Täter sind je zur Hälfte Familienangehörige und Fremde.
Worin unterscheiden sich Übergriffe in der Schule von denjenigen in der Familie?
In der Schule gibt es viel mehr mögliche Zeugen, die emotional nicht«drinhängen».Dadurch können sie manchmal die Anzeichen besser erkennen.Meist gehen der Aufdeckung eines Falls Gerüchte voran.
Für die Opfer sind Lehrer nicht ganz so enge Bezugspersonen wie Familienangehörige. Meist bauen solche Täter jedoch ein starkes Vertrauensverhältnis zum Opfer auf.
Dazu kommt die Abhängigkeit:
Eine Lehrperson verfügt über Autorität und verschiedene Druckmittel.
Im Klassenverband kann ein Kind durch seine Sonderstellung ausgeschlossen werden. Darunter leidet es zusätzlich. Seine Gefühle reichen von «Ich bin schlechter als alle andern» bis «Ich bin etwas Besonderes».
Wählen Täter ihre Opfer gezielt aus?
Ja, sie planen ihre Tat und fassen von Beginn an die möglichen Konsequenzen ins Auge. Deshalb sind hilflose, chwächere, emotional bedürftige Kinder besonders gefährdet. Auch der Status der Eltern, ihre Möglichkeiten, sich zu wehren, können eine Rolle spielen. Vielfach suchen Pädosexuelle bewusst Berufe und Tätigkeitsfelder, in denen sie mit Kindern zusammensein können.
Sind Pädophile von Natur aus so veranlagt, dass sie nur auf Kinder sexuell ansprechen?
Wir brauchen den Begriff«Pädosexuelle», um nichts zu beschönigen. Wer pädosexuelle Neigungen hat, soll diese niemals ausleben, sondern sich in eine Therapie begeben, denn sexuelle Kontakte mit Erwachsenen schaden einem Kind in jedem Fall. Das sehen viele Pädosexuelle überhaupt nicht ein.
Es gibt sogar Vereinigungen, in denen sie Kinderpornographie austauschen und sich gegenseitig Tips geben, wie man an Kinder herankommt. Ich persönlich glaube, dass sich diese Veranlagung aus der Biographie erklärt und nicht einfach gegeben ist. Für viele Pädosexuelle ist Sex mit einer ebenbürtigen Person bedrohlich. Übrigens ist nur ein Teil der Täter zu den Pädosexuellen zu zählen.
Verschärft sich das Problem der Pädosexuellen heute?
Ja, denn jetzt kann man via Internet Kinderpornographie holen oder auf die Philippinen fliegen, um Kinder sexuell auszubeuten. Vor hundert Jahren war das noch nicht möglich. Gegeben hat es sexuelle Gewalt jedoch schon immer.
Sind sexuelle Übergriffe auf Kinder ein gesellschaftliches oder ein individuelles Problem?
Auch wenn die Einzelfälle individuell bewältigt werden müssen - ganz klar ein gesellschaftliches. Noch immer ist der Machtunterschied zwischen Frau und Mann sowie zwischen Kindern und Erwachsenen gross. Männlichkeit, Gewalt und Sexualität sind aufs engste miteinander verknüpft, und auch viele sogenannt normale Männer können ihr Bedürfnis nach Nähe nur in der Sexualität leben.
Haben solche Übergriffe mehr mit Sexualität oder mit Macht zu tun? Das ist sehr umstritten. Wir von Limita nennen es sexualisierte Gewalt, weil unsere Erfahrungen zeigen, dass Macht und nicht die Sexualität der entscheidende Faktor ist.


