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Dienstag, 17, November 1998

Zentrale gegen Internet-Kriminalität

Wiesbaden - Das Bundeskriminalamt (BKA) wird künftig in einer neuen Zentralstelle gegen Internet-Kriminalität rund 20 Beamte einsetzen. Das sagte der für den Bereich der Bekämpfung der organisierten Kriminalität zuständige erste Direktor des BKA, Leo Schuster, in Wiesbaden. Die Innenminister hatten in der vergangenen Woche grünes Licht für die Gründung der Zentralstelle zur Bekämpfung krimineller Inhalte im weltweiten Datennetz bis Ende dieses Jahres gegeben.

Das BKA durchforste das Internet verdachtsunabhängig auf der Suche nach strafrechtlich relevanten Texten und Bildern, erklärte Schuster. Bisher hatte nur das bayerische Landeskriminalamt in München eine eigene Dienststelle gegen Internet-Kriminalität mit einem fünfköpfigen Team. Außerdem hatte eine private Initiative “Netz gegen Kinderporno”, in der große Online-Anbieter in Deutschland sich zusammengeschlossen hatten, eine Meldestelle für Online-Straftaten eingerichtet und die Daten an die Behörden weitergeleitet.

Auch in “Chat-Rooms” wird gesucht

“Die Internet-Recherche ist eine zentrale Aufgabe des BKA”, sagte Schuster. Die neue Zentralstelle für Internet-Ermittlungen wird nach Überzeugung des Experten mehr Straftaten im weltweiten Datennetz auffliegen lassen. Im vergangenen Jahr seien 2.068 Delikte ermittelt worden, 87,5 Prozent davon kamen aus dem Bereich der Kinderpornographie. “Wer solche Dinge ins Internet stellt, muß damit rechnen, daß sich die Sicherheitsorgane dafür interessieren”, warnte Schuster. Kinderpornographie, Geldwäsche, rechtsradikale Propaganda und Verstöße gegen das Urheberrecht gehörten zu den häufigsten Internet-Straftaten.

Die Beamten der neuen Ermittlungsgruppe des BKA suchen nach Schusters Angaben unter anderem in “Chat-Rooms” - Unterhaltungsforen zu bestimmten Themen - gezielt nach kriminellen Inhalten. Es gebe dazu bestimmte Internet-Adressen, die “beinahe traditionell sowas anbieten”, sagte Schuster. Mit Hilfe sogenannter Log-Files (Textdateien, in denen alle technischen Vorgänge festgehalten werden), und bestimmten Suchwörtern könne man mit hoher Trefferquote auf kriminelle Anbieter und Abnehmer stoßen. Insgesamt gebe es rund 30.000 Chat-Rooms, schätzte der Experte.
Probleme bei der Strafverfolgung

Allerdings räumte Schuster angesichts der weltweiten Vernetzung auch Probleme bei der Strafverfolgung ein. Rechtsradikale Propaganda sei beispielsweise in den USA durch die Informations- und Meinungsfreiheit gedeckt, in Deutschland sei dies aber eine Straftat. Der amerikanische Anbieter selbst habe deshalb nichts zu befürchten. Das BKA müsse dann jedoch versuchen, die Abnehmer in Deutschland festzustellen. Die Erkenntnisse über kriminelle Machenschaften im Internet werden an die Strafverfolgungsbehörden der einzelnen Bundesländer, aber auch ans Ausland weitergegeben. Die Polizei müsse sich auf mehr Arbeit einstellen, sagte Schuster.
dpa

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Gepostet von am 11/17 um 12:38 PM

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