Dienstag, 25, März 2003
WOMAN-Interview mit Justizministerin Brigitte Zypries über härtere Strafen für Sexualstraftäter: “Vo
Hamburg (ots) - Fast täglich liest man in den deutschen Zeitungen über neue Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch. Und jeder neue Fall heizt die öffentliche Debatte weiter an: Verhält sich die Gesellschaft zu gleichgültig gegenüber der sexuellen Gewalt? Werden die Täter hart genug bestraft? Für ihre neue Ausgabe sprach die Frauenzeitschrift WOMAN (Heft 8/2003, Erstverkaufstag Dienstag, 25.März) mit Bundesjustizministerin Brigitte Zypries über dieses Thema.
“Sexueller Missbrauch von Kindern ist ein großes Problem. Ich halte es für fatal, dass Teile unserer Gesellschaft immer noch nach
dem Motto ‘Der Onkel meint das schon nicht so’ verfahren”, so Zypries in dem Exklusiv-Interview. “Fakt ist: Der Onkel meint es genau so, die Opfer leiden häufig ihr Leben lang unter den Folgen - und zwar auch dann, wenn der Täter sie ‘nur’ angefasst hat.”
Die Justizministerin will eine Anzeigepflicht bei Missbrauchsverdacht einführen. Dem Vorwurf, damit Denunzianten zu ermutigen, tritt Zypries im Interview entgegen: “Der Vorwurf trifft nicht zu, weil niemand verpflichtet wird, auf bloße Gerüchte hin zur
Polizei zu gehen. Im Übrigen gibt es den Tatbestand der Nichtanzeige geplanter Straftaten schon lange. Wir erweitern ihn nur um den Tatbestand des sexuellen Missbrauchs von Kindern. Die allgemeine Anzeigepflicht hat sich in der Praxis bewährt, und bisher ist kein Mensch auf den Gedanken gekommen, sie mache die Menschen zu Denunzianten.” Zypries weiter zu WOMAN: “Ich weiß aus meiner Arbeit, aber auch von gleichaltrigen Freundinnen, die als Kind missbraucht wurden, dass sehr viel mehr Menschen betroffen sind, als man annimmt. Und in diese 80 Prozent ‘Dunkelfeld’ will ich Licht bringen. Für mich ist die Anzeigepflicht ein Instrument, um die Verantwortung jedes Einzelnen zu stärken. Wer merkt, dass mit einem Kind etwas nicht
stimmt, soll eine Verpflichtung spüren und sich kümmern.”
Außerdem äußert sich Zypries zur geplanten härteren Ahndung von Kinderpornografie im Internet: “Bei der Neuregelung geht es vor allem darum, die Strafrechtsnormen der heutigen technischen Entwicklung anzupassen. Nach geltender Rechtslage kann etwa das massenweise Austauschen von kinderpornografischem Material in einem geschlossenen Userkreis nicht geahndet werden, weil es dafür keinen Straftatbestand im Gesetz gibt. Da bleibt dann nur, den Besitz abzuurteilen. Der umfangreiche Austausch hat aber einen wesentlich höheren Unrechtsgehalt.”
Viele Fälle von Missbrauch gehen auf fehlerhafte Prognosen von Gutachtern und Therapeuten zurück. Konkret fordert Zypries in WOMAN deshalb Zweitgutachter in Gerichtsprozessen wegen sexuellen Missbrauchs: “Es ist naturgemäß so, dass ein Therapeut eine Beziehung zu seinem Klienten aufbaut, ohne die eine Therapie auch nicht erfolgreich sein kann. Das kann in Einzelfällen zu Lasten der Objektivität des Therapeuten gehen. Ich plädiere für eine Gegenkontrolle durch einen Zweitgutachter, der den Patienten nicht kennt.”
http://de.news.yahoo.com/030325/27/3d0tq.html
Dienstag 25. März 2003, 12:49 Uhr
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