Mittwoch, 20, März 2002
Weltweit Kinderporno-Ring gesprengt, vermutlich von einem Deutschen gegründet
Ein großer internationaler Kinderporno-Ring, der vermutlich von einem Deutschen gegründet wurde, ist gesprengt. Fahnder durchsuchten gleichzeitig in mehreren europäischen Staaten sowie in Japan, Kanada und den USA die Wohnungen von 31 Verdächtigen. Sie sollen im Internet Bilder getauscht haben, die sexuellen Missbrauch von Kindern zeigen, wie das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden mitteilte. In Deutschland gab es vier Festnahmen.
Einige der Verdächtigen sollen zudem selbst Kinder sexuell missbraucht haben. Das schließt das BKA aus der Tatsache, dass das getauschte Material sehr neu ist. Es weise zudem eine erschreckende Brutalität auf, teilte die Behörde mit. Die Ermittler erwarten, dass sie das beschlagnahmte Material auf die Spur weiterer Täter führt. Die Auswertung werde vermutlich einige Wochen dauern.
In Deutschland wurden vier mutmaßliche Täter in Berlin, Hamburg, Ingolstadt und Tuttlingen festgenommen. Dabei stellten die Behörden mehrere Computer sowie hunderte CD-Roms und Video-Kassetten sicher. Zwei 33-Jährige aus Berlin und Ingolstadt sind bereits einschlägig vorbestraft; sie und ein 40-jähriger Hamburger sollen noch heute dem Haftrichter vorgeführt werden. Gegen einen 28-Jährigen aus Tuttlingen beantragten die Ermittler dagegen keinen Haftbefehl. Durchsucht wurde außerdem die Wohnung eines Stuttgarter Internet-Nutzers. Der Verdacht richtet sich jedoch gegen einen 22-Jährigen US-Bürger, der dort zur Tatzeit zu Besuch war.
Auch in Spanien, Holland, Schweden, England, der Schweiz, Japan und Kanada stellten die Polizeibehörden Rechner und Datenträger sicher. In den USA wurden sieben Wohnungen durchsucht. Im Bundesstaat Ohio erwischten die Ermittler einen der Verdächtigen auf frischer Tat, als er sich gerade im entsprechenden Internet-Forum aufhielt.
Das BKA hatte nach eigenen Angaben im Mai vergangenen Jahres erste Hinweise auf einen privaten, geheimen Bereich («Channel») im Internet erhalten, in dem große Mengen von Daten mit kinderpornografischem Inhalt getauscht würden. Ende vergangenen Jahres durchsuchte die Polizei die Wohnung eines 40-jährigen Mannes aus Münster und erwischte ihn, als er gerade über den «Channel» mit zehn weiteren Personen in Kontakt stand. Der 40-Jährige ist seither in Haft und hat laut BKA mittlerweile zugegeben, den «Channel» gegründet zu haben. Wegen Verbreitung von Kinderpornografie sei er bereits 1998 zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt worden.
Auf Grund zahlreicher Schutzmaßnahmen hatten sich die Mitglieder des «Channels» offenbar sicher gefühlt. Gesteuert wurde die internationale Durchsuchungsaktion von der Interpol-Zentrale in Lyon. In Deutschland hat das Bundeskriminalamt in Wiesbaden eine Koordinierungsstelle mit dem Namen «Artus» eingerichtet. Die Täter müssen laut BKA mit Freiheitsstrafen bis zu zehn Jahren rechnen.
Quelle:
http://www1.e110.de/artikel/detail.cfm?pageid=65&id=31351
20.03.02 wel
Wiesbaden (dpa)
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