Dienstag, 16, März 2004
Verdacht auf Inzest, Polygamie und Sektenmord
Marcus Wesson, der im kalifornischen Fresno acht Kinder und eine Erwachsene erschossen haben soll, war nach Aussage von Nachbarn Polygamist und möglicherweise Sektenanhänger. Unter den Opfern sollen auch zwei Enkelkinder des mutmaßlichen Mörders sein, die er gemeinsam mit der eigenen Tochter gezeugt haben soll.
Fresno - Bislang rätselt die Polizei aber noch über die genauen Verwandtschaftverhältnisse und Familienumstände. “Wir glauben, dass Wesson die meisten, wenn nicht alle Kinder zeugte”, sagte der Polizeichef von Fresno, Jerry Dyer.
Die Ermittler gehen nach Aussagen von Nachbarn inzwischen davon aus, dass Marcus Wesson mindestens sechs Frauen hatte, darunter auch eine seiner eigenen Töchter. Zwei der getöteten Kinder habe er mit dieser Tochter gezeugt.
Die Frauen sollen eine Art Kommune gebildet haben, sie hätten für Wesson gearbeitet, seine Kinder zur Welt gebracht und seien einem sehr strikten Lebensstil gefolgt, den ihnen der 57-Jährige auferlegte, erzählten Nachbarn des Mannes. Die Kinder seien ausschließlich zu Hause unterrichtet worden.
Noch ist unklar, ob der Massenmord einen religiösen Hintergrund hat. Die Polizei überprüfe diese Möglichkeit, sagte Polizeichef Dyer. Allerdings berichtet die “Los Angeles Times” unter Berufung auf mehrere erwachsene Kinder des Tatverdächtigen, dass die Familie der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten angehörte. Dabei handelt es sich um eine protestantische Freikirche. Allerdings verfügt diese nach eigenen Angaben über keinerlei Hinweise, dass Wesson Mitglied irgendeiner Gemeinde der Siebenten-Tag-Adventisten angehörig sei.
Am Freitag waren im Haus von Marc Wesson neun Leichen entdeckt worden, die in einem Schlafzimmer aufgestapelt waren. Die Polizei entdeckte auch zwölf Särge - Wesson hatte allerdings behauptet, er habe die Särge gekauft, um das Holz für die Renovierung seines Hauses zu verwenden.
SPIEGEL ONLINE - 16. März 2004, 11:52
URL: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,290836,00.html
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