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Mittwoch, 27, Mai 1998

SWF3-Top Thema mit Uli Becker “Die Jagd nach Kinder-Pornografie im Internet”

Das Landeskriminalamt von Baden-Württemberg hat mehr als 100 Anbieter von überwiegend gewalttätigen Kinderpornobildern im Internet ermittelt. Drei von vier Anbietern kommen aus Deutschland. Den entscheidenden Anstoss zu den Ermittlungen bekam die Polizei von Internet-Nutzern, die das Netz von Kinderpornografie freihalten wollen. Dazu Kriminalrat Hartmut Schröppel vom LKA Baden-Württemberg: “Vor allem wenn es um kinderpornografische Abbildungen geht, sind wir auf die Unterstützung der Bevölkerung angewiesen. Jeder gezielte Hinweis, den wir erhalten können aus dem Internet von Internet-Usern, hilft uns bei der Bekämpfung der Verbreitung der Kinderpornografie im Internet weiter. Neben den Internet-Nutzern, die das Netz sauber halten wollen, machen verschiedene Institutionen in Deutschland Jagd auf Anbieter von Kinder-Pornografie. Da sind die Landeskriminalämter, da gibt es eine Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft in Hannover, es gibt ein Kommisariat in München, das wie es im Behörden-Deutsch heisst “anlassunabhängig” im Internet nach kriminellen Seiten sucht, sei es nun Nazi-Propaganda, verbotenes Glückspiel oder auch Kinderpornografie.  Und dann gibt es seit Sommer letzten Jahres auch noch das “Jugend-Schutz-Net” in Wiesbaden, eine länderübergreifende Kontrollstelle für das Internet, finanziert von den obersten Jugendbehörden der Länder. Petra Müller von Jugend-Schutz-Net: “Unsere Aufgabe bei Jugend-Schutz-Net ist insbesondere das Netz nach jugendgefährdeten und beeinträchtigenden Angeboten zu durchsuchen.” ...und dann die Online-Dienste darüber zu informieren, daß sie gegen Geld mithelfen, gegen Kinder-Pornografie zu verbreiten. Die Online-Dienste stellen sich nämlich gerne hin und sagen, sie könnten bei der Menge von 200 Millionen Internet-Seiten das Netz unmöglich freihalten von Kinderpornografie. Eine Schutzbehauptung, die viele Internet-Nutzer nicht mehr akzeptieren wollen, weil immer mehr begreifen, daß für fast jedes kinderpornografische Bild ein Kind mißbraucht worden ist, und daß wachsende Nachfrage nach Kinderpornografie im Internet auch zu wachsenden Kindesmißbrauch im wirklichen Leben führt.

In den USA haben altgediente Hacker inzwischen eine eigene Organisation gegen Kindesmissbrauch im Internet gegründet. Sie knacken password-geschützte Chat-Rooms, legen ganze Server lahm, und geben Tips an das FBI und die Zollbehörden. In Deutschland laufen die Ermittlungen zur Zeit noch etwas unkoordiniert.  Hartmut Schröppel vom Landeskriminalamt Baden-Württemberg über Ermittlungsschwierigkeiten im Internet: “Die Suche im Internet wird erschwert dadurch, daß es sich beim Internet natürlich um ein sehr schnell-lebiges Medium handelt. Hinweise, die wir erhalten, auf verdächtige Internet-Adressen können unter Umständen nach wenigen Tagen schon gar nicht mehr an dieser Stelle zu finden sein. Und auch die Tatsache, daß es sich um ein weltweites Netz handelt, erschweren und verzögern die Ermittlungen insgesamt.” Doch mithilfe der Technik holen die Fahnder auf. Früher mussten sie sich mühsam per Hand durch die 200 Millionen Internet-Seiten wühlen, und schauen, ob sie mehr oder weniger zufällig Kinderpornografie fanden. Heute geht es einfacher. Es gibt inzwischen Suchmaschinen, die helfen nach bestimmten Schlüsselworten zu fahnden: Internet-Seiten mit Inhalten wie ‘Lolita’, ‘Grünzeug’, ‘Grüngemüse’ oder ‘Früherziehung’ deuten an, wo’s langgeht. Hilfreich ist auch ein Fahndungsprogramm namens “PERCEO”. Es hilft auf beschlagnahmten Rechnern, nach pornografischen Bildern mit Tieren und Kindern zu suchen. Petra Müller vom “Jugend-Schutz-Net” in Wiesbaden: “Das hilft hundertprozentig gerade beim Suchen. Es gibt ja nicht unzählige solcher Bilder, sondern es sind auch immer bekannte Bilder dabei. Und in dem Umfeld können wir dann auch wieder noch genauer hinschauen, ob noch neuere Bilder da sind.” Das Programm nutzt die Tatsache aus, daß der größte Teil des Bildmaterials bei Fahndern längst bekannt ist. Über einen digitalen Code lassen sich die Bilder dann schnell auf der Festplatte finden, egal unter welchem Format sie gespeichert sind. Und wer solch Material in Besitz hat oder sich verschafft hat, hat sich auch schon strafbar gemacht. Erklärungen wie - “ich wollte nur mal sehen, wie sowas aussieht” -  schützen nicht vor Strafe. Es droht schon beim Besitz und nicht erst beim Handel mit Kinderpornografie ein Jahr Gefängnis. Auf der Internet-Seite, mit der die Polizei von Baden-Württemberg die Internet-Nutzer um Hilfe im Kampf gegen Kinderpornografie bittet, steht deswegen auch der Hinweis: Bitte unterlassen sie die Sicherung oder das Ausdrucken von Dateien. Damit soll verhindert werden, daß aus einem Porno-Jäger plötzlich ein Gejagter wird.

© SWF3- Uli Becker - 1998 gesendet am 27.05.98 -
Die wortgetreue Darstellung des gesendeten Beitrages dient nur zu Zwecken der Information.

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Gepostet von am 05/27 um 05:37 PM

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