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Samstag, 20, April 1996

Strenge Gesetze sollen Sex-Touristen stoppen

Datum:  20.04.1996
Ressort:  Ratgeber
Autor:  -
Seite:  65

Strenge Gesetze sollen Sex-Touristen stoppen
Asien: Kinder enden bei der Arbeitssuche oft im Bordell

Der 38jährige Deutsche Bernd Karl-Heinz Nierenz wurde letzte Woche von einem thailändischen Gericht unter anderem wegen Kindesmißbrauchs zu 43 Jahren Haft verurteilt. Andreas Lorenz sprach mit Amihan Abueva, Chef der Kinderschutzorganisation “End Child Prostitution in Asian Tourism” (ECPAT), die in 28 Ländern arbeitet.

Berliner Zeitung: Welche Nationalitäten sind unter den Sex-Touristen am meisten vertreten?

Amihan Abueva: Auf den Philippinen sind es Amerikaner, Japaner, Australier und Deutsche. In Thailand sind die Europäer in der Mehrzahl, ebenso in Sri Lanka. In diesen Ländern führen die Deutschen die Liste an. Kunden sind auch in Asien lebende Geschäftsleute, Diplomaten, Entwicklungshelfer. Sogar Kinderschutzorganisationen hatten Probleme mit Mitarbeitern.

Welche Länder sind am meisten betroffen?

Die Philippinen, Thailand und Sri Lanka. Zunehmend gerät Kambodscha zum Ziel von Sex-Touristen, die es auf Kinder abgesehen haben.

In den letzten Monaten scheinen sich verstärkt Pädophile in Asien zu tummeln.

Die sind schon eine ganze Weile hier. Es wurden nur mehr Fälle bekannt, weil wir erfolgreicher gegen diese Gruppe vorgegangen sind. Ich mache mir inzwischen Sorgen um die Mitarbeiter unserer Organisation, denn die Pädophilen-Gruppen bedrohen sie.

Warum ist die Zahl der Kinderprostituierten in letzter Zeit so stark angestiegen?

Es gibt wenigstens eine Million Kinder in ganz Asien, die sich verkaufen. In den meisten asiatischen Ländern klafft eine tiefe Wohlstandskluft zwischen Städten und ländlichen Gebieten. Viele Bauern sind schwer verschuldet. Die Kinder müssen Arbeit suchen und enden nicht selten im Bordell. Zudem ist ein Wertewandel zu beobachten: Beeinflußt durch aggressive Werbung, sind viele Menschen überzeugt, nicht mehr ohne Kühlschrank oder Fernseher leben zu können. Also versuchen sie, ihre Lage um jeden Preis zu verbessern.

Es muß ja auch mehr Kunden geben.

Hunderttausende von Gastarbeitern vagabundieren fernab von ihren Familien durch Asien. Dabei ist Sex mit Kindern keine asiatische Tradition. Die Asiaten folgen dem Vorbild westlicher Männer. Es existiert der Mythos, Mädchen und Jungen seien noch nicht mit dem HIV-Virus infiziert. Das ist ein Riesenirrtum. Weil die Haut der Kinder viel empfindlicher als die von Erwachsenen ist, stecken sie sich auch leichter an. Die Zahlen sind alarmierend: 40 bis 50 Prozent der von uns geretteten Mädchen und Jungen tragen den HIV-Virus in sich.

Was sollten europäische Regierungen tun, um die Sex-Touristen zu stoppen?

Erste Schritte wurden getan. Es gibt Gesetze, die Kindersex außerhalb der Landesgrenzen bestrafen.

Das Problem ist nur, daß die Behörden in Deutschland oder England davon nichts erfahren.

Wir arbeiten daran. Wir brauchen ein besseres Überwachungssystem. Die Polizisten der verschiedenen Staaten müssen besser zusammenarbeiten. Sie müssen schnell herausfinden können, ob die Verdächtigen in einem anderen Land einschlägig vorbestraft sind. Wir müssen die Richter besser informieren, denn ihre Urteile gegen Täter sind bislang nicht sehr hart ausgefallen. Auf den Philippinen hat es bislang keinen einzigen Richterspruch wegen Kindesmißbrauchs gegeben, obwohl strenge Gesetze existieren.

Das kann Jahrzehnte dauern.

Richtig. Auf der anderen Seite ist Problembewußtsein entstanden. Regierungen haben erkannt, daß sie Kinderprostitution bekämpfen müssen. Reisebüros informieren uns über die schwarzen Schafe der Branche, Touristen zeigen Landsleute an. Selbst Kunden schalten die Behörden ein, wenn sie merken, daß Prostituierte sich nicht freiwillig im Bordell aufhalten. Die Sache ist in Bewegung geraten. +++

Quelle

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Gepostet von am 04/20 um 09:42 PM

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