Montag, 05, März 2007
STREIT ÜBER GESCHWISTERLIEBE
Inzest-Streit entzweit deutsche Politik
Von Anna Reimann
Nur eine Frage der Moral - oder auch des Strafrechts? Ein Geschwisterpaar mit vier Kindern klagt gegen den Inzest-Paragraphen. Deshalb streiten jetzt Politiker über eine Abschaffung des Verbots: Aus SPD, FDP und Linkspartei kommt Zustimmung, die Union blockt ab.
Berlin - Liberal ohne Grenzen: Erst fordern sie Pornos für Jugendliche, jetzt Inzest ohne Strafe. Die Jungen Liberalen, der Nachwuchs der FDP, hat sich in den vergangenen Tagen gleich zweimal mit vorwitzigen Vorschlägen in die Schlagzeilen manövriert. Aber während der Vorstoß, Pornofilme schon ab 16 Jahren freizugeben, von Politikern, Jugendforschern und Sozialarbeitern unisono als sinnlos oder sogar gefährlich abgewatscht wurde, wird die Frage nach der Aufhebung des Inzest-Paragraphen unter Berliner Politikern ernsthaft diskutiert.
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Hier der versprochene und absolut lesenswerte Kommentar von Ulrike M. Dierkes, 1. Vorsitzende von MELINA e.V., Autorin von “Schwestermutter - Ich Inzestkind” (Lübbe Verlag)
Inzest ist weder eine Frage der Moral, noch einer jeweiligen Politik. Wer Inzest zu einer Frage (überholter) Moral, Politik oder Zeitgeist bagatellisiert, hat sich entweder nie zuvor für diese Frage interessiert, folglich wahrscheinlich nicht mit Inzestbetroffenen, Inzestgeschädigten und Inzestopfern gesprochen, und wenn er dies und dann trotzdem für eine Legalisierung plädiert, könnte er auch für die Legalisierung des versuchten Totschlags oder Seelenmords plädieren!
Ich gehe nicht davon aus, daß PolitikerInnen Mord und Totschlag legalisieren wollen, sondern die Wahrscheinlicher größer ist, daß sich mal wieder Leute zu einem Thema äussern, die erstens von diesen Auswirkungen selber nicht betroffen und daher bisher eigentlich auch gar nicht daran interessiert sind und denen folglich egal sein kann, wer was mit wem und mit welchen Folgen tut. Hauptsache, es lässt sich politisch verwerten und ist für eine Schlagzeile gut!
Wenn es aber sooo egal, dann sollten sie dies unterlassen!! Dann sollen sie lieber ehrlich sagen: Es interessiert uns nicht, weil uns die Minderheiten in diesem Land nicht interessieren, weil davon für uns sowieso keine Stimme oder Wiederwahl abhängt und die Pädophilen haben ja eh’ ihre eigene Partei in Holland gegründet und keiner hindert sie offensichtlich daran, von dort aus ihre Interessen grenzüberschreitend einzubringen.
Eins wage ich zu bezweifeln: Ein Geschwisterpaar, das lt. Schlagzeilen der Presse bis zu ihrem Alter von 21 vier Kinder gezeugt und geboren hat und das fünfte während seiner Haftzeit von einem anderen Partner bekam, wird kaum die Zeit mit einer grundlegenden Analyse ihres Tuns, geschweige denn einer Auseinandersetzung der Folgen verbracht haben. Sonst hätten sie wenigstens verhütet!
Lt. Meldungen der Presse sind zwei der vier Inzestkinder behindert, wobei es nicht geklärt ist, ob die Behinderungen Folge des Inzests sind, was sich sehr leicht klären ließe, wenn man hieran interessiert wäre, sonst könnte man so schon pauschal sagen: 50 % der Inzestkinder sind behindert! Die erhöhte Wahrscheinlichkeit solcher Inzestschäden, längst wissenschaftlich bestätigt, wird ja von Anwälten der Interessenten-Lobby stets bestritten und heruntergespielt - dies können sie auch, da Anwälte gemeinhin immer ihre Honorare und abhängig vom Ergebnis ihres Tuns bekommen und last not least für solche Folgen nicht aufkommen.
weiter…
Posted by on 04/01 at 06:15 AMfortsetzung ...
Wir haben zwar in allen Bereichen die Qualitätssicherung und inzwischen müssen auch Ärzte für Folgen aufkommen, wenn sie falsch beraten oder es zu nachweislichen Pannen in der praktischen Umsetzung kommt, aber diese Klientel bleibt bisher von solchen Schadensersatzforderungen, die sich durch eine solche Propagierung eines völlig falschen ethischen, obendrein bedenklichen und lebensfremden Ansatzes ergeben, verschont. Ganz zu schweigen von der Signalwirkung!!
WÜRDE diese Absicht einer Legalisierung durchgehen, WÜRDE es nicht lange dauern, und auch Pädophile, Väter Großväter würden mit Hinweis auf diese Nachlässigkeit oder Lockerung “ihr Selbstbestimmungsrecht der freien sexuellen Entfaltung” einfordern. Und dann…und dann…es ist nicht auszumalen.
Der Hinweis auf ein anderes Land hinkt, wie die Behinderungen, die durch Inzest entstehen - die Frage lautet doch: WER kommt hinterher für alle aus dieser Legalisierung entstehenden Folgen und Schäden auf?
Die POLITIK wird es nicht sein!
Die Pädophilen werden es nicht sein!
Die Gesellschaft wird es nicht wollen…Richtig: Wir haben andere Themen und Sorgen! Wir kriegen so schon nicht die Familienpolitik mit und ohne Kindersegen im Sinne des Generationsvertrags für alle lebenswert und zumutbar geregelt, geschweige denn nachfolgend aus dem gestörten Generationengeflecht auch die ALTEN kaum würdevoll aufbewahrt und behandelt - und jetzt das!!
Wer will oder wird denn einen stinkenden Alten, der gleichzeitig Vater und Großvater ist und sich ausser Übergriffen durch nichts hervorzuhebendes hervorgetan hat, auch noch waschen, von dem er inzestuös sexuell missbraucht und gequält wurde?(Es gibt ein Urteil, weil sich ein Missbrauchsopfer erfolgreich dagegen wehrte, für einen solchen “Vater” aufzukommen.)
Also im Zeitalter der Entsorgung und Entsolidarisierung sollte man lieber die Finger von einem solchen Paragrafen lassen, der ganz im Gegenteil zu recht bis heute überlebt hat - er ist ein Überlebens-Paragraf für Inzestopfer.
Oder will die Politik Verbrechens-und Verhaltens-Regeln aufheben und einen Sack voll Geld bereit stellen, der zur Wiederherstellung der “NORMALITÄT” früher oder später nötig wird?
Zu einem noch weiter vertiefenden Gespräch stehe ich jederzeit zur Verfügung!
Ulrike M. Dierkes, MELINA e.V.
Posted by on 04/01 at 06:15 AM
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