Freitag, 26, April 2002
Sexualpessimismus der Päpste Grund für Mißbrauch in Priesterkreisen?
Haßfurt (dpa)
Fälle sexuellen Missbrauchs durch Geistliche sind nach Ansicht des Kirchenkritikers Karlheinz Deschner die zwangsläufige Folge der sexualfeindlichen Moral der katholischen Kirche. Die Propagierung des Sexualsündenwahns, überhaupt der ganze Sexualpessimismus der Päpste, trage die Schuld, sagte Deschner in einem dpa-Gespräch im unterfränkischen Haßfurt.
Ihr destruktives Werk sei durch die Geschichte hinweg erkennbar, meinte der 77-Autor («Kriminalgeschichte des Christentums»). Der Skandal im weiteren Sinne werde durch die Geschichte bloßgelegt: Die Diffamierung der Frau über zwei Jahrtausende hinweg und der Kampf gegen die Abtreibung belegten die generelle sexualfeindliche Moral, erklärte Deschner.
Zölibat aus Kostengründen erfunden?
Im engeren Sinne treffe die Schuld das Zölibat und alle, die es geschaffen haben, meinte der Kirchenkritiker. Das Gebot der Ehelosigkeit der Priester sei nicht biblisch belegt, sondern durch Päpste im Laufe des Mittelalters erzwungen worden, «weil ihr geistliches Personal ehrwürdiger sein sollte als der Laie, weil ein eheloser Klerus billiger kam und weil man mit ihm rücksichtsloser umspringen konnte». Hier aber zeige sich die Heuchelei in der katholischen Kirche.
Sünde im Verborgenen akzeptiert?
Denn im Grunde genommen dürfe der Priester sündigen, solange die Sache nicht bekannt werde, sagte Deschner. Die katholische Kirche handle nach der Devise «si non caste caute» - wenn schon nicht keusch, dann wenigstens vorsichtig, meinte Deschner und fügte hinzu: «Die eigentlichen Täter sind weniger jene Priester, die die Tat begehen, als jene Päpste, deren Erlasse sie dazu getrieben haben - und kein Zweifel, auch in Zukunft dazu treiben werden, solange dafür die fatalen Voraussetzungen bestehen.»
26.04.02 Dis
Quelle
http://www2.e110.de/artikel/detail.cfm?pageid=67&id=36415
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