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Samstag, 27, September 2003

Schlag gegen Kinderschänder

Ermittler entlarven weltweit 26 500 mutmaßliche Kinderporno-Tauscher - 530 Deutsche unter Verdacht

Von Dirk Banse und Michael Behrendt

Polizei und Staatsanwaltschaft Sachsen-Anhalts ist ein bedeutender Schlag gegen die internationale Kinderporno-Szene im Internet gelungen. Die Aktion fand in 166 Ländern statt und entlarvte 26 500 mutmaßliche Kinderporno-Konsumenten.

Magdeburg - Bei der weltweiten Operation unter dem Codenamen “Marcy” wurden allein in der Bundesrepublik 502 Privatwohnungen und Geschäftsräume durchsucht. Dabei stellten die 1500 an der Aktion beteiligten Beamten in allen Bundesländern 745 Computer, mindestens 35 500 CDs, 8300 Disketten sowie 5800 Videos sicher. 530 Deutsche werden nun des Besitzes beziehungsweise Verbreitens kinderpornografischen Materials verdächtigt, teilte das Justizministerium Sachsen-Anhalts dieser Zeitung mit.

“Dieser Fall ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Der Handel mit Kinderpornografie im Internet nimmt immer mehr zu. Um allein das nun beschlagnahmte Material gründlich auszuwerten und jedes Schicksal aufzuklären, braucht die Polizei mehr Personal”, fordert Professor Adolf Gallwitz von der Polizei-Hochschule Villingen-Schwenningen.

Nach Angaben des Direktors des Magdeburger Landeskriminalamtes Frank Hüttemann stammten die Tatverdächtigen nicht aus Randgruppen oder seien “arme Irre”. Vielmehr gehörten die Pädophilen allen Gesellschaftsschichten an.

Auslöser der Ermittlungen war eine Anzeige des Verbandes der deutschen Internetwirtschaft vom Mai vergangenen Jahres gegen einen aus Magdeburg stammenden Gründer eines geschlossenen kinderpornografischen Zirkels. Im Zuge der Operation “Marcy” konnten nun 38 solcher international agierenden Kinderporno-Zirkel im Internet gesprengt werden.

Mit der Sicherstellung der Rechneranlage des Beschuldigten war es der Polizei gelungen, mehrere tausend E-Mail-Adressen von mutmaßlichen Tauschpartnern und gleich Gesinnten zu ermitteln. Aus dem Inhalt des E-Mail-Verkehrs wurde deutlich, dass umfangreiches kinderpornografisches Material weltweit in geschlossenen Internetzirkeln getauscht wurde.

Daraufhin erließ das Amtsgericht Halle-Saalkreis einen Beschluss, wonach ein internationaler Provider verpflichtet wurde, die Datensätze der Kinderporno-Zirkel zu sichern und zu übermitteln. Am 17. Oktober vergangenen Jahres übermittelte der Provider den Behörden unter anderem 26 500 Bilddateien und 38 000 E-Mail-Adressen.

Das gesicherte Material war so umfangreich, dass zur Auswertung eine gemeinsame Ermittlungsgruppe des Landeskriminalamtes Sachsen-Anhalt und der Polizeidirektion Magdeburg gebildet wurde. Den Verbreitern von Kinderpornografie drohen Freiheitsstrafen von drei Monaten bis zu zehn Jahren.

“Kinderpornografie gehört zu den abscheulichsten und widerwärtigsten kriminellen Handlungen der heutigen Zeit”, sagte Sachsen-Anhalts Innenminister Klaus Jeziorsky (CDU). Das Ausmaß der Ermittlungen zeige, wie der Handel mit der “Ware Kind” floriere. Justizminister Curt Becker (CDU) erklärte, jeder Fall von Kinderporno sei die Abbildung des sexuellen Missbrauchs eines Kindes und jeder Klick töte eine Kinderseele.

Das Thema Kinderschändung rückte 1996 mit der Festnahme des Belgiers Marc Dutroux ins öffentliche Bewusstsein. Seither gibt es immer wieder weltweite Aktionen gegen die Kinderporno-Szene, doch das Schicksal vieler vermisster Kinder konnte dennoch nicht geklärt werden. Die Ermittlungen gegen Dutroux und seine Helfer sind auch nach mehr als sieben Jahren noch nicht abgeschlossen, der Prozess gegen den Belgier soll erst im März nächsten Jahres beginnen. Dutroux wird der Entführung und Ermordung von vier Mädchen beschuldigt. Experten gehen aber davon aus, dass er nur Teil eines internationalen Netzes von Pädophilen ist, in dem sich auch hochrangige Politiker verfangen haben.

Sonnabend, 27. September 2003

Quelle

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Gepostet von am 09/27 um 09:51 PM

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