Mittwoch, 04, März 1998
Schlag gegen Kinderpornos im Internet
München - Der Münchner Polizei ist ein entscheidender Schlag gegen die Verbreitung von Kinderpornographie im Internet gelungen. Sie präsentierte am Mittwoch mehrere Fahndungserfolge. Zwei Münchner seien ermittelt worden, die jeweils über 1.000 Kinderporno-Bilder auf ihrer Computerfestplatte gespeichert hatten. Einer der Männer sei zudem Mitglied eines weltweiten Clubs gewesen, der im Internet Kinderpornographie tauschte. Insgesamt wurden 54 Beschuldigte aus 19 Staaten als Clubmitglieder ermittelt. Drei Beschuldigte stammen aus Deutschland.
Nach einem Hinweis der Münchner Polizei konnten zwei US-Bürger wegen “Herstellung von Kinderpornographie” inzwischen zu langjährigen Haftstrafen verurteilt werden. Ein “Internet-Surfer” hatte eine Homepage mit Zeichungen von Kindern in sexuellen Posen gefunden und die Polizei informiert. Bei eigenen Recherchen hatte die Polizei mehrere Verbreiter von Kinderpornographie entdeckt. Die Empfänger der Dateien hätten ihren Wohnsitz in den USA gehabt. Zahlreiche Disketten seien darauf von amerikanischen Behörden sichergestellt worden.
“Lolita”-Club
Beim “Internet-Surfen” war die Münchner Polizei zudem auf den sogenannten “Lolita”-Club mit Sitz in Belgien gestoßen. Die Club- Mitglieder hatten weltweit Kinderpornographie getauscht. Ein 30jähriger Grafikdesigner aus München habe so wöchentlich rund 50 kinderpornographische Bilder bekommen und weiter versendet, sagte ein Polizeisprecher. Die Verbreitung von Kinderpornographie wird in Deutschland mit bis zu fünf Jahren, der Besitz mit bis zu einem Jahr Gefängnis bestraft.
Tip der US-Zollbehörde
Durch einen Tip der US-Zollbehörde konnte die Münchner Polizei ferner einen 32jährigen Musiklehrer aus München ermitteln, der mehr als 1.700 Kinderpornos aus dem Internet geladen hatte. Zusätzlich habe der Mann bundesweit Briefe mit sexuellem Inhalt an Jugendliche verschickt. Er habe sich dazu als junges Mädchen mit dem Namen “Jessica” ausgegeben und versucht, über Jugendzeitschriften Brieffreundschaften zu Minderjährigen aufzubauen. dpa
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