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Mittwoch, 02, September 1998

Schlag gegen Kinderpornoring

Journalisten filmen beschlagnahmte Datenträger.
Die Beamten traten in zahlreichen Städten zur gleichen Zeit, am Mittwoch um 06.00 Uhr (MESZ), in Aktion. Unzählige Wohnungen wurden durchsucht, Dutzende von Verdächtigen gefaßt. In Deutschland, wo die Fahnder in sieben Bundesländern ermittelten, gab es mindestens sieben Festnahmen - vier in Nordrhein-Westfalen sowie je eine in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen.

Mehr als 100.000 Bilder sichergestellt
Auf die Spur des Ringes, der sein Angebot über das Internet austauschte, kamen die Behörden in der englischen Grafschaft Sussex. Interpol und der US-Zoll wurden nach Angaben der nationalen britischen Polizeieinheit NCIS eingeschaltet. Bei den Razzien seien mehr als 100.000 Porno-Bilder mit Kindern selbst im Alter von zwei Jahren sichergestellt worden. Stewardson berichtete vor Journalisten: “Es gab da Leute, die nur Pornomaterial austauschten und es gab andere, die es produzierten. In Großbritannien haben wir einen der Produzenten gefaßt.” Über die genaue Zahl der Festgenommenen - darunter auch Frauen - konnten keine Angaben gemacht werden.

Tauschring mit kriminellen Regeln
Die Aktion richtete sich gegen über 180 Teilnehmer eines sogenannten Chat-Rooms im Internet, in dem große Mengen kinderpornographische Bilder ausgetauscht wurden. An dem Tauschring konnte sich nach Angaben des Landeskriminalamts (LKA) Düsseldorf nur beteiligen, wer mindestens 10.000 pädophile Bilder anbieten konnte oder eigene Kinder zum Mißbrauch zur Verfügung stellte. Dabei handelt es sich um Jungen und Mädchen. Deren Identität soll - so Stewardson - ermittelt werden, um den Betroffenen zu helfen. Der Gründer in Großbritannien soll seine beiden eigenen Kinder zum Mißbrauch angeboten haben.

In Deutschland fanden Durchsuchungen in Bayern (sieben), Nordrhein-Westfalen (vier), Baden-Württemberg, Niedersachsen (je zwei), Sachsen und Rheinland-Pfalz und Hessen (je eine) statt. Die Fahnder durchsuchten die Wohnungen von insgesamt 18 Tatverdächtigen. Die gleiche Zahl von Wohnung war es beispielsweise in Großbritannien, in den USA waren es 32. Daß dabei beschlagnahmte umfangreiche Material wird jetzt im Detail gesichtet.

Festnahmen in Deutschland
BKA-Sprecher Norbert Unger nannte die Aktion bisher einmalig in ihrer “Internationalität, Quantität und vom Koordinierungsaufwand” her. Die Planung habe Monate in Anspruch genommen. “Die Verdächtigen sind sehr konspirativ vorgegangen”, sagte er.

Die Polizei in Deutschland stellte zahlreiche Computer und Disketten sicher. Festnahmen erfolgten in Naumburg bei Kassel, Stuttgart, Ingolstadt sowie den NRW-Städten Rheine, Löhne, Neunkirchen-Seelscheid und Troisdorf. Kinderpornographie wurde auch auf unzähligen Videokassetten entdeckt.

Hinweise von der britischen Polizei
Die Hinweise auf den Kinderpornoring kamen nach Mitteilung des Bundeskriminalamtes in Wiesbaden von der britischen Polizei. Diese hatte Ermittlungen aus dem Jahr 1996 gegen eine ähnliche Gruppierung in den USA weitergeführt. Damals nicht identifizierte Mitglieder bauten den Austausch nach Polizeierkenntnissen wieder auf. Ob über das Internet auch Videosequenzen mit Kinderpornographie ausgetauscht wurden, war zunächst noch unklar. Wegen der großen Datenmengen sei dies nur schwer möglich, sagte Unger.

Die Staaten außerhalb Europas, in denen ermittelt wurde, sind Australien, Kanada, die USA, Chile, Japan, Israel sowie ein afrikanisches Land. In Europa richtet sich der Verdacht gegen Bürger aus Großbritannien, Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Belgien, Finnland, Schweden, Dänemark, Norwegen, Österreich, Spanien, Portugal, Italien und Rußland. Eine Verbindung zu dem kürzlich in den Niederlanden aufgeflogenen Kinderpornoring sei derzeit nicht zu erkennen, aber auch nicht auszuschließen, sagte Unger.
dpa

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Gepostet von am 09/02 um 12:57 PM

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