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Donnerstag, 25, März 2004

Satanismus: Kriminalbeamte verlangen bundesweite Meldestelle

rier (KNA) Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) hat erneut eine bundesweite Meldestelle für Satanismusfälle verlangt. In Deutschland gebe es kein polizeiliches Lagebild für solche Straftaten, beklagte der stellvertretende BDK-Vorsitzende Wolfgang Bauch am Donnerstag in Trier. Die Polizei habe erhebliche Informationsdefizite. Zudem fehle ermittelnden Beamten häufig Grundlagenwissen, um einen möglichen satanistischen Hintergrund von Straftaten zu erkennen.

Nach Bauchs Worten behandelt die Politik das Phänomen Satanismus nur stiefmütterlich. Dabei habe schon 1998 die Bundestagsenquete-Kommission “So genannte Sekten und Psychogruppen” das Fehlen eines bundeseinheitlichen Lagebildes kritisiert. Zwar stelle Satanismus an sich kein Straftatbestand dar, aber Delikte wie Störungen der Totenruhe, Sachbeschädigung,  Einbruch in Kirchen, Körperverletzungen, Brandstiftung, Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, Verletzung des Tierschutzgesetzes, Nötigung, Kindesmissbrauch, Sexualstraftaten oder Tötungen stünden damit im Zusammenhang. Diesen würden Polizeibeamte aber oft nicht erkennen, weil Sekten und Psychogruppen in deren Ausbildung keine Rolle spielten. Zudem hätten nur wenige Bundesländer dafür Experten. Oft blieben nur die kirchlichen Sektenbeauftragten als Ansprechpartner.

Forschung statt Sensation

Bauch bemängelte weiter, dass es keine übergreifenden seriösen Forschungsprojekte über Satanismus gebe. Diese könnten auch dazu beitragen, das von Medien häufig als Sensation aufgebauschte Thema zu versachlichen. Der BDK-Vize warnte davor, die gesamte schwarze Szene und sämtliche okkultistischen Praktiken zu kriminalisieren. Oft handele es sich dabei um an sich harmlosen Protest Jugendlicher gegenüber Erwachsenen. Aber es gebe auch einen Bodensatz an Leuten, die ein Gefahrenpotenzial darstellten.

Der Journalist und Okkultismusexperte Rainer Fromm zeigte sich verwundert, dass Verletzungen des Jugendschutzes in Hunderten von satanistischen Büchern nicht geahndet würden. So werde in Publikationen Menschenopfer propagiert, Verletzungs- und Tötungspraktiken beschrieben oder Kinder als vollkommene Wesen für kultische Opfer dargestellt. Laut Fromm ist in den letzten drei Jahren eine Verquickung von Satanismus und Rechtsextremismus zu beobachten. In diesem von Frankreich ausgegangenen “Ideologie-Mix” komme es zu dem doppelten Tabubruch Christenhass und Rechtsextremismus. Dieses Phänomen verdiene viel mehr Aufmerksamkeit vom Verfassungsschutz.

Fromm bezifferte die Zahl organisierter Satanisten in Deutschland auf maximal 2.000; zudem gebe es etwa 6.000 bis 8.000 Jugendliche, die mit der satanistischen Subkultur sympathisiere.  Von Gruppen, die Vergewaltigungen, Opferungen oder sexuellen Kindesmissbrauch propagierten, seien “friedliche” Satanisten zu unterscheiden, für die der Teufel lediglich ein Symbol der Freiheit von gesellschaftlichen Normen sei.

Ein zunehmendes Risiko stellten satanistische Internetauftritte mit Gewaltinhalten dar. Fromm befürchtet, dass solche Plattformen die moralische Hemmschwelle herabsetzen können und aus virtueller Gewalt reale wird. Nationale Behörden allein könnten das Internet aber nur schwer kontrollieren; notwendig sei eine internationale Zusammenarbeit. So würden Neonazi-Internetseiten inzwischen von arabischen Ländern aus und kinderpornographische Inhalte aus Mexiko verbreitet. - Bauch und Fromm äußerten sich bei einer Tagung der Katholischen Akademie Trier.

Bischöfliche Pressestelle Trier 26.3.2004 Räume für Opfer und Therapeuten schaffen Fachtagung an der Katholischen Akademie Trier: Satanismus - eine gesellschaftliche Gefahr?

Trier - “Verstöße des Jugendschutzes in Hunderten von satanistischen Büchern müssen geahndet werden”, fordert der Fernsehjournalist Dr. Rainer Fromm auf einer Fachtagung über Satanismus am 25. März in der Katholischen Akademie Trier vor rund 100 Zuhörern. Es könne nicht sein, dass satanistische Literatur, in denen Menschenopfer propagiert, Verletzungs- und Tötungspraktiken beschrieben oder Kinder als vollkommene Wesen für kultische Opfer dargestellt würden, “per ISBN Nummer in jeder Buchhandlung frei bezogen” werden könnten, erklärt der Okkultismusexperte. Veranstaltet wurde die Tagung in Kooperation mit dem Referat Weltanschauungen und Sekten des Bistums Trier, dem Deutschen Journalistenverband sowie der Konrad-Adenauer-Stiftung Mainz.

Fromm erläuterte, dass es “unterschiedliche Gesichter des Satanismus in Deutschland” gebe, jedoch deutlich werde, dass sich in den letzten drei Jahren Satanismus und Rechtsextremismus immer mehr verschmelzten. In diesem “Ideologie-Mix” komme es zu dem doppelten Tabubruch: Christenhass und Rechtsextremismus.

Die meisten Sorgen bereiten Rainer Fromm, was sich im Bereich des sogenannten “kriminellen Pseudo-Satanismus” in Deutschland abspiele. “Da geht es um Kinder- und Gewaltpornografie und die Fan-Gemeinden in diesem Bereich sind groß”, schildert er drastisch. Dort gebe es Menschen, die ihre sexuellen Vorstellungen zu Lasten von Kindern und schwer gequälten Menschen auslebten - dort würde die “Menschenwürde missachtet und der ensch zum Opfer.”

Bei all dem spiele das Internet eine immer größere Rolle. Denn dort seien zahlreiche satanistische Internetauftritte zu finden, in denen Gewalt propagiert werde. Fromm befürchtet, dass auf diesem Wege “virtuelle Gewalt zur Realen” werden könne. Deshalb sei es wichtig, international gegen derartige Seiten und Foren im Internet vorzugehen.

Die satanistische Szene sei zahlenmäßig schwer zu überschauen. Auf maximal 2000 schätze er die Zahl organisierter Satanisten in Deutschland. Dazu kämen zwischen 6000 bis 8000 Jugendliche, die mit der satanistischen Subkultur sympathisierten. Darunter seien auch “friedlichen” Satanisten, für die der Teufel ein Symbol der Freiheit von gesellschaftlichen Normen sei.

Presseinformation der Katholischen Nachrichten-Agentur vom 25.03.2004

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Gepostet von am 03/25 um 05:38 PM

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