Mittwoch, 29, Oktober 2003
Rege Kinderprostitution an deutsch-tschechischer Grenze
Unicef stellt wissenschaftliche Studie vor
Berlin, 28. Okt. (dpa) An der deutsch-tschechischen Grenze gibt es nach Angaben des Uno-Kinderhilfswerks Unicef in grossem Umfang Prostitution von Kindern. Es finde sogar Missbrauch von Säuglingen statt, wurde am Dienstag in Berlin berichtet. Unicef berief sich dabei auf die wissenschaftliche Studie «Kinder auf dem Strich» der Sozialarbeiterin Cathrin Schauer. Diese arbeitet seit 1995 im deutsch-tschechischen Grenzgebiet als Streetworkerin und hat systematisch Informationen über das Ausmass der Kinderprostitution gesammelt. Schauer sagte vor Journalisten in Berlin, dass Sextouristen immer häufiger ganz gezielt nach Kindern fragten. Es gebe einen organisierten Markt. Bei Razzien der tschechischen Behörden würden Kinder zumeist nicht entdeckt. Sie böten sich nicht in Bordellen an, sondern in Supermärkten, Spielhallen, Bahnhöfen oder Hauseinfahrten. Die tschechischen Behörden hatten mehrfach deutsche Informationen über Kinderprostitution im Grenzgebiet zurückgewiesen. Zuletzt hiess es nach einer Grossrazzia am 11. Oktober gegen illegale Prostitution, bei der 4000 Personen kontrolliert worden waren, man habe keine Beweise für einen Missbrauch von Kindern gefunden.
Wohlstandsgefälle
Tschechien sei zum Billigland für Kindersex geworden, sagte der Kriminalpsychologe Adolf Gallwitz in Berlin. Gallwitz, Professor an der Fachhochschule der Polizei in Villingen-Schwenningen, nannte das Grenzgebiet Europas grösstes Bordell, in dem Zwangsprostitution und Menschenhandel an der Tagesordnung seien. Eine Ursache sei das grosse Wohlstandsgefälle. Die Zuhälter der Kinder seien oft Familienangehörige wie Eltern und Geschwister oder Verwandte der Opfer, die nicht selten von organisierten Netzwerken als Mittelsmänner oder Handlanger eingesetzt würden. Einige der Mütter arbeiteten auch selbst als Prostituierte.
http://www.nzz.ch/2003/10/29/vm/page-article96XX9.html
29. Oktober 2003, 02:22, Neue Zürcher Zeitung
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