Freitag, 23, Januar 2009
Prozess gegen Kurt Demmler
DDR-Liedermacher vor Gericht: Sexueller Missbrauch beim Casting?
Der bekannte DDR-Liedermacher Kurt Demmler steht seit dem 22. Januar vor Gericht. Ihm wird sexueller Missbrauch von sechs Kindern in über 200 Fällen vorgeworfen. Demmler, der auch zu den erfolgreichsten Rocktextern der DDR gehörte, soll die Taten zwischen 1995 und 1999 begangen haben. Sollte er schuldig gesprochen werden, droht ihm eine mehrjährige Freiheitsstrafe. SUPERillu-Reporter Sebastian Krüger war beim Prozessauftakt dabei.
Vor dem Berliner Landgericht wurde der Prozess gegen den Liedermacher Kurt Demmler eröffnet (AZ.: 515-32/08). In zwei Anklagen werden ihm über 200 Missbrauchstaten zur Last gelegt. Die Taten liegen lange zurück: sie ereigneten sich zwischen August 1995 und November 1999. Zur Anklage kommen mißbräuchliche Handlungen, die Demmler an insgesamt sechs Mädchen begangen haben soll. Die Mädchen waren damals im Alter von 10 bis 14 Jahren. Die sexuellen Übergriffe fanden demnach sowohl in seiner Wohnung im Prenzlauer Berg als auch in seiner Villa in Storkow statt. Seit 4. August sitzt Demmler in der JVA Moabit in Untersuchungshaft.
Zu den Vorwürfen wollte sich der Angeklagte “im Moment” nicht äußern, sagte seine Verteidigerin Nicole Bédé zum Prozessauftakt. Die Anwälte von zwei Opfern stellten den Antrag, sowohl die Öffentlichkeit als auch den Angeklagten bei der Vernehmung ihrer nunmehr erwachsenen Mandantinnen auszuschließen. Über die Anträge wurde noch nicht entschieden. Neun Verhandlungstage sind anberaumt. Sollte Demmler schuldig gesprochen werden, droht ihm eine mehrjährige Freiheitsstrafe.
Kurt Demmler war einer der erfolgreichsten Liedermacher in der DDR. Er schrieb über 10.000 Texte, unter anderem für Rockgruppen wie die Puhdys, Karat, Karussell, die Klaus Renft Combo und die Sängerin Nina Hagen. 1985 wurde er mit dem Nationalpreis der DDR geehrt. Im Herbst 1989 war er Mitunterzeichner der Resolution, mit der Rockmusiker Veränderungen in der DDR forderten. Am 4. November 1989 trat er bei der ersten freien Massendemonstration auf dem Berliner Alexanderplatz auf.
Dubioses Casting
Nach der Wiedervereinigung war Demmler zwar weiterhin als Musiker aktiv, doch ohne großen Erfolg. Mitte der 90er Jahre wollte er eine Mädchenband zusammenstellen und bestellte sich zu diesem Zwecke mehrere junge Sängerinnen in seine Wohnung. Er ließ sie vorsingen und vortanzen, wobei es laut Anklage zu den missbräuchlichen Handlungen gekommen sei. Drogen oder Gewalt seien nicht im Spiel gewesen, vergewaltigt worden sei keines der Mädchen. Eines von ihnen soll drei Jahre lang ein- bis zweimal pro Woche zu Demmler gegangen sein. Allein in ihrem Fall geht die Staatsanwaltschaft von rund 180 Missbrauchsfällen aus.
Zur Geldstrafe verurteilt
Wegen sexueller Missbrauchsdelikte steht der Liedermacher nicht zum ersten Mal im Rampenlicht. Bereits 2002 wurde er wegen eines ähnlichen Vergehens zu einer Geldstrafe verurteilt. 2007 offenbarte sich ein weiteres mutmaßliches Demmler-Opfer der Polizei, weitere meldeten sich im Laufe der Ermittlungen. Als besonders belastend für Demmler gilt, dass er mindestens eines seiner Opfer einzuschüchtern versuchte. Wie ihre Anwältin am Prozesseröffnungstag sagte, habe er ihr per Email versprochen, sie in ihrem Testament zu bedenken, sollte sie ihre Anzeige fallenlassen. Demmler streitet bislang alle Vorwürfe ab.
Sebastian KrügerLetztes Update: 23.01.2009 11:24
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