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Freitag, 07, April 2006

Pädophilen-Pranger im Web: Schweizer geoutet

«Präsidiert Pädophilenring», «ermöglicht Rekrutierung von Frischfleisch» oder «in Kinderporno-Fälle verwickelt»: Seit Februar beschuldigen Unbekannte auf einer Webseite 36 Schweizer mit Namen und Adressen der Pädophilie. Die Betroffenen können dagegen wenig tun.

Auf dieser Webseite werden 36 Schweizer der Pädophilie beschuldigt.

Die teils massiven Anschuldigungen gegen die 36 Schweizer sind kategorisiert mit einer Gefährlichkeitsskala von 0 («Mitläufer») bis 5 («gehört verwahrt»). In einer weiteren Kolonne folgen Beschreibungen der Vorwürfe: Bei einem heisst es, er sei in mehrere Kinderporno-Fälle verwickelt, ein anderer soll als «Pädophilenpapst» von einem sektenähnlichen System zwischen Pädosexuellen, ihren Opfern und Bezugspersonen profitieren. Anwälte werden beschuldigt, für Geld alles zu tun. Anderen wird vorgeworfen, die «Rekrutierung von Frischfleisch» zu ermöglichen oder innerhalb der Pädophilenszene verantwortlich dafür zu sein, dass Kritiker mundtot gemacht werden.

Die unbekannten Macher einer in Hongkong gehosteten Internet-Seite bezeichnen sich als Sprachrohr von missbrauchten und ausgebeuteten Kindern und Jugendlichen, das zum Ziel habe, den «Ausbeutern das Handwerk zu legen».

Auf einer mit «Pranger» betitelten Namensliste werden angebliche Kinderhändler, -schänder und Ausbeuter mit Beruf, Arbeitgeber und Wohnadresse aufgeführt. Nebst einschlägig verurteilten Straftätern werden auch deren Anwälte und Geschäftspartner genannt. Doch auch Mitarbeiter von privaten Fernsehsendern werden beschuldigt, pädosexuell orientiert zu sein. Besonders heftig greifen die Unbekannten zudem mehrere Mitarbeiter einer Kinderschutzorganisation an.

«Ich bin fassungslos», sagte einer der Betroffenen gegenüber 20 Minuten. Nach Rücksprache mit Anwälten verzichtet er aber vorerst auf Massnahmen – obwohl er einen Verdacht hegt, wer Urheber der Liste sein könnte.

IT-Jurist David Rosenthal empfiehlt den Betroffenen, den Provider zu informieren. «Das zeigt meist schneller Wirkung als der Rechtsweg.» Hier stünden die Chancen besser, weil die betreffende Firma aus Hongkong Diffamierungen auf ihren Seiten ausdrücklich verbiete.

Gaudenz Looser

Quelle

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Gepostet von am 04/07 um 04:57 PM

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