Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!

Dienstag, 31, August 2004

«Nicht kleinreden»

Jeder zwölfte Junge in Berlin von sexuellen Übergriffen betroffen - Studie vorgestellt

Berlin (ddp-bln). Jungen sind offenbar öfter von sexuellem Missbrauch betroffen als allgemein angenommen. In Berlin hat jeder zwölfte Junge sexuelle Übergriffe an öffentlichen Orten erlebt. Das ergab eine Studie des Vereins «Subway» und der Freien Universität Berlin (FU). Befragt wurden 500 Jungen im Alter von zwischen 10 und 16 Jahren an Plätzen wie Schwimmbädern und Einkaufszentren in der Hauptstadt.

Das sei eine «beträchtliche Gruppe», die «nicht kleingeredet» werden dürfe, sagte Dieter Kleiber vom FU-Institut für Prävention und psychosoziale Gesundheitsforschung am Dienstag bei der Vorstellung der Studie. Es gebe zu wenig Erkenntnisse zu diesem Thema. Nach seinen Angaben hat es bislang in Deutschland noch keine Untersuchung mit einem solchen Ansatz gegeben.

Der Studie zufolge werden Jungen eher im öffentlichen Raum sexuell belästigt, während es bei Mädchen häufiger im Familien- oder Freundeskreis zu derartigen Übergriffen kommt, wie Kleiber sagte. Wichtig sei, auch die Jungen intensiver über diese möglichen Belästigungen aufzuklären und sie zu sensibilisieren. Denn die Studie komme zu dem Ergebnis, dass sexuelle Übergriffe auf Jungen «nicht einfach so passieren». Sie seien geplant und spielten sich nach einem ähnlichen Muster ab. Meist bekämen sie Beziehungsangebote von erwachsenen Männern, die vordergründig zunächst keine sexuellen Hintergründe hätten und damit schwer zu durchschauen seien. Jungs werden im öffentlichen Raum nach Einschätzung von «Subway» fast nie von Frauen belästigt. Dies komme eher im familiären Bereich vor.

Von den acht Prozent der von sexuellen Übergriffen betroffenen Jungen haben nach Angaben Kleibers drei Prozent tatsächlich Sex mit Erwachsenen und fünf Prozent sexuelle Handlungen ohne Körperkontakt wie das Zeigen des Geschlechtsteils erfahren.

Zu den Risikogruppen gehören Jungen, deren Vater gleichgültig oder meist abwesend ist und die insgesamt eine konfliktreiche Beziehung zu ihren Eltern haben, wie der Wissenschaftler betonte. Zudem seien Einzelgänger und Jungen mit einem niedrigen Selbstwertgefühl und einer negativen Einstellung zur Schule gefährdet.

Der Berliner Verein «Subway», der sich seit einem Jahrzehnt um männliche Prostituierte kümmert, hat die Befragungen an öffentlichen Plätzen durchgeführt und zugleich ein Präventionskonzept erarbeitet. Damit sollen Jungen die Täterstrategie aufgezeigt, das Selbstwertgefühl gestärkt und sie zum Nein-Sagen erzogen werden, wie Markus Klein von «Subway» sagte. Dieses sozialpädagogische Angebot solle den Jungen dort gemacht werden, wo sie auch ihre Freizeit verbringen. Außerdem fänden bereits von sexuellen Übergriffen Betroffene Ansprechpartner und direkte Hilfe. Darüber hinaus sollten mit diesem Modellprojekt die Einrichtungen der Jugendhilfe und die Eltern aufmerksam gemacht werden.

Eine bundesweite Studie vor einigen Jahren hatte ergeben, dass gemäß einer engen Definition - wonach nur sexueller Missbrauch mit Körperkontakt und Opfer unter 14 Jahren berücksichtigt wurden - 6,2 Prozent der Mädchen und zwei Prozent der Jungen sexuellen Missbrauch erlebt haben. Bei einer weiten Definition, die alle sexuellen Handlungen in Kindheit und Jugend umfasst, stiegen diese Zahlen auf 7,3 Prozent der männlichen und 18,1 Prozent der weiblichen Befragten an.

http://de.news.yahoo.com/040831/336/46qtp.html

Dienstag 31. August 2004, 15:53 Uhr

Artikel Empfehlen
Dieser Eintrag wurde 159 mal gelesen.
Gepostet von am 08/31 um 02:18 PM

Name:

Email:

Location:

URL:

Smileys

An Loggin erinnern

Benachrichtigen bei Antworten?

Mit Code bestätigen (Spamschutz):


<< Zurück zur Startseite