Freitag, 30, April 2004
ML Mona Lisa
Streitpunkt Kinderpornografie
Entschuldigung der Justizministerin gefordert
Wenn Kinder vor Kameras missbraucht, vergewaltigt, als Sexware übers Internet gedealt und konsumiert werden, dann ist das Seelenmord. Doch wie sieht es mit der Abschreckung und Bestrafung der Täter in Deutschland aus? Äußerungen der Bundesjustizministerin haben für Entsetzen bei Opfern gesorgt.
30.04.2004
Ralf Graner ist Gründer der Selbsthilfegruppe “Eisbrecher” für Männer, die in ihrer Kindheit sexualisierte Gewalt erleiden mussten, und selbst als Junge Opfer von sexuellem Missbrauch und Kinderpornografie: “Das Grauen ist an sich schon schlimm genug. Doch dann kommen unendlich viele eigene Ängste, Gefühle dazu, die jeden, der betroffen ist, ein Leben lang verfolgen.”
Keine Mindeststrafe
Gibt es hier zu Lande abschreckende Strafen für dieses Verbrechen? Fehlanzeige! Auch im neuen Recht ist keine Mindeststrafe für den Besitz von Kinderpornos vorgesehen. Den Konsum sieht Bundesjustizministerin Brigitte Zypries als ein Delikt wie Sockenklau im Kaufhaus.
Im Südwestrundfunk in der Sendung “Ländersache” am 1. April 2004 um 20.15 Uhr äußerte sich Zypries wie folgt: “Wenn man eine Mindeststrafe auswirft, dann wird das Delikt ein Verbrechen. Und man kann nie sagen, dass der Besitz von bestimmten Bildern ein Verbrechen ist, denn normalerweise sagen wir in unserem Land, das was man zum Eigengebrauch hat, das ist nicht so strafwürdig, wenn es überhaupt strafwürdig ist, wie das, was man dealt, was man weitergibt. Das ist ein Phänomen, das kennen wir bei Rauschgift, wo es eine Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts gibt zum Eigenverbrauch.”
Entschuldigung gefordert
Pornografische Bilder von Kindern zum Eigengebrauch? Solche Äußerungen offenbaren einen milden Blick auf die Täter. Die Strafwürdigkeit des Konsums von Kinderpornografie anzuzweifeln, schockiert nicht nur die Opfer, so Graner: “Das ist eine derartig unglaubliche Aussage und Verhöhnung aller Opfer. Es ist ein Schlag ins Gesicht, eine erneute Vergewaltigung, die dermaßen wütend machen muss, und auch ohnmächtig und verzweifelt.” In einem offenen Brief fordert Graner nun eine Entschuldigung der Ministerin. Über 2000 Bürger haben sich schon jetzt seinem Protest angeschlossen.
ML Mona Lisa hat Zypries um ein Interview gebeten. Doch der Redaktion gegenüber war die Bundesministerin zu keinerlei Stellungnahme bereit. Rund 200.000 Seiten mit kinderpornografischen Darstellungen gibt es im Internet. Die riesige Nachfrage bestimmt den Markt, immer mehr Kinder werden vor der Kamera missbraucht. Die Proteste der Opfer sind vergebens. Nachbessern will die Justizministerin nicht. Die einzige Reaktion von Frau Zypries war ein Brief an den Initiator der Unterschriften-Aktion, in dem sie das derzeitige Gesetz verteidigt.
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