Mittwoch, 02, September 1998
Krimineller Nutzen
Wie Kinderpornos im Internet getauscht werden
Hamburg - Der weltweit operierende Kinderpornoring hat nach Angaben des Bundeskriminalamt einen besonderen Dienst innerhalb des Internets benutzt, um illegale Bild- und Videodateien zu tauschen. Dabei handelt es sich um den sogenannten Internet Relay Chat (IRC), in dem Nutzer des Internets sich an der Tastatur zeitgleich unterhalten und auch Daten übertragen können.
Der bekannteste Dienst im Internet ist das World Wide Web, in dem vorgefertigte multimediale Angebote (“Web-Sites”) im Netz stehen. Diese können von den Nutzern mit Hilfe sogenannter Browser (Internet Explorer oder Netscape Navigator) abgerufen werden. Der Dienst IRC wird nicht mit Web-Browsern bedient, sondern mit Spezialprogrammen, die im Internet frei zur Verfügung stehen.
Live-Unterhaltung
Das IRC-System wurde Ende der achtziger Jahre vom Finnen Jarkko Oikarinen entwickelt und verbreitete sich im Netz sehr schnell, da es mehreren Internet-Nutzern ermöglichte, sich “live” im Netz zu unterhalten. Im Internet gibt es Tausende von Chat-Kanälen, in denen Wissenschaftler diskutieren, Hobbyisten sich über ihre Freizeit- Beschäftigung unterhalten oder Internet-User über alle möglichen Themen debattieren. Im IRC muß man sich nicht mit seinem wirklichen Namen anmelden, sondern kann ein frei wählbares Pseudonym benutzen.
Kontakte knüpfen
Nach einer Studie, die im Auftrag des Deutschen Kinderschutzbundes erstellt wurde, wird das IRC-System von Kriminellen mißbraucht, um Raubkopien von kommerzieller Software oder auch illegale kinderpornographische Bild- und Videodateien zu tauschen. Außerhalb des IRC sei die Verbreitung von Kinderpornographie in Chat-Systemen selten. Häufig wird im IRC auch nur ein Kontakt zwischen den Interessierten hergestellt, der Austausch der illegalen Dateien erfolgt dann auf Videokassetten über die Post.
dpa
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