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Mittwoch, 12, November 2003

Kommentar: Kinder-Prostitution - Es gibt das Problem

Kaum hatte die deutsche Autorin Cathrin Schauer ihre Studie zur Kinderprostitution im deutsch-tschechischen Grenzgebiet veröffentlicht, brach in Tschechien die Entrüstung aus: Übertreibung, unbewiesene Behauptungen, der gute Name der Tschechischen Republik wird beschmutzt – so die wenig sachdienlichen Kommentare. Zudem wurde der Autorin Eigennutz unterstellt. Sie wolle durch die Veröffentlichung Reklame für ihr Buch machen und/oder die weitere Finanzierung ihrer gemeinnützigen Organisation Karo durch die EU und das Land Sachsen sichern.

Inzwischen haben kritische tschechische Medien wie die Wochenzeitungen Týden und Respekt das Thema aufgegriffen und durch eigene Recherchen vor Ort dokumentiert: Es gibt das Problem. Und es ist nicht einfach dadurch zu lösen, dass man die Augen schließt. Prostitution von Minderjährigen hat Ursachen, die tief in die Gesellschaft reichen. Die Auseinandersetzung mit problematischen sozialen Randgruppen gehörte nicht zu den Stärken des real existierenden Sozialismus, an diesem Erbe trägt die Gesellschaft heute noch.

Will man auf tschechischer Seite etwas an der Situation ändern, muss man bei der Betreuung sozial verwahrloster Kinder beginnen, denen ihre Eltern kein normales Zuhause bieten können.

Sich einfach beleidigt zu fühlen, weil die Hinweise auf dieses Problem aus dem ungeliebten Nachbarland Deutschland kommen, zeugt von wenig intelligentem Verhalten in einer heiklen Sache. Denn eigentlich hätten nicht die Tschechen, sondern die Deutschen allen Grund sich zu schämen – aus ihrem Land kommen die Kinderschänder. Hier ist auch der deutsche Staat gefordert – er muss alles tun, um das schmutzige Geschäft für seine Nutznießer so schwierig und so riskant wie möglich zu machen. Die deutsche Polizei wird bei der Verfolgung von solchen Delikten freilich auf diejenigen Erkenntnisse angewiesen sein, welche ihnen die tschechische Polizei übermittelt. Und hier schließt sich der Kreis des Schweigens: Solange die tschechische Polizei nicht systematisch und konsequent gegen diese Erscheinungen vorgeht, wird man auch in Deutschland – von nutzlosen Appellen abgesehen – nichts unternehmen können. 
Von Ewald Trojansky

12. 11. 2003, Themenbereich: Politik

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Gepostet von am 11/12 um 01:10 AM

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