Dienstag, 16, Dezember 2008
Kindesmisshandlung: Lockerung der Schweigepflicht gefordert
Osnabrück (ddp). Die Kinder- und Jugendärzte drängen im Kampf gegen Kindesmisshandlung und -vernachlässigung auf eine Lockerung ihrer Schweigepflicht. Der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Dienstagausgabe) sagte Verbandspräsident Wolfram Hartmann, schon bei den «vielen Fällen eines vagen Verdachts” müssten Ärzte die Erlaubnis zum Gespräch mit Lehrern, Erzieherinnen im Kindergarten oder nichtärztlichen medizinischen Berufen bekommen. Nur so könnten sie einen oft vagen Verdacht auf Misshandlung oder Vernachlässigung erhärten oder entkräften. «Kein Arzt sollte wegen des Bruchs der Schweigepflicht einer Strafandrohung ausgesetzt sein, wenn er bei einem Betreuer weitere Informationen im Interesse des Kindes einholt», sagte Hartmann.
Der Verbandspräsident betonte, das Wohl des Kindes und nicht allein das Recht der Eltern müsse im Vordergrund stehen. Es werde dem Kindeswohl nicht gerecht, wenn bei vagen Verdachtsfällen grundsätzlich die Zustimmung der Eltern zu einem Gespräch mit Betreuern nötig sei. «Diese Zustimmung erhält man in vielen Fällen eben nicht», sagte Hartmann. Auch umgekehrt sei es dringend notwendig, wenn Lehrer oder Kindergärtnerinnen mit Kinder- und Jugendärzten Kontakt wegen einer möglichen Misshandlung oder Vernachlässigung aufnehmen könnten.
Der Verbandspräsident begrüßte ausdrücklich, dass der Gesetzentwurf von Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) zur Reform des Kinderschutzgesetzes vorsieht, zum Schutz gefährdeter Kinder die ärztliche Schweigepflicht in bestimmten Fällen zu lockern.
16.12.2008 Ta
Quelle
Dieser Eintrag wurde 172 mal gelesen.
Next entry: Firewall gegen Kinderpornografie
Previous entry: Bürgermeister Stengel vom Amt suspendiert

