Mittwoch, 28, August 1996
Kindersex ist Milliardengeschäft
Datum: 28.08.1996
Ressort: Nachrichten
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“Kindersex ist Milliardengeschäft”
Unicef-Konferenz zur Ausbeutung von Kindern eröffnet / Kinkel: Weltweit ächten
Stockholm. Reuter/AP
Die weltweite Bekämpfung der Kinderpornographie ist Thema einer gestern in Stockholm eröffneten Konferenz. Die sexuelle Ausbeutung von Kindern ist nach Unicef-Angaben ein Multi-Milliarden-Geschäft.
Mit Aufrufen zur weltweiten Bekämpfung der Kinderpornographie hat gestern in Stockholm ein Weltkongreß gegen die gewerbsmäßige sexuelle Ausbeutung von Kindern begonnen. Der schwedische Ministerpräsident Goran Persson sprach in seiner Eröffnungsrede von der Seuche der Kinderprostitution, der -pornographie und des Kinderhandels, die in den vergangenen Jahren zugenommen hätten. An der fünftägigen Konferenz nehmen über tausend Regierungsvertreter und Delegierte von Kinderschutzorganisationen teil.
Bundesaußenminister Klaus Kinkel rief in Stockholm zum globalen Kampf gegen Kinderprostitution und -pornographie auf. Die sexuelle Ausbeutung von Kindern müsse weltweit und ausnahmslos unter strenge Strafen gestellt werden, forderte Kinkel am ersten Tag des Weltkongresses gegen die gewerbsmäßige sexuelle Ausbeutung von Kindern in Stockholm.
Da Kinderschänder die Schwierigkeiten landesübergreifender Strafverfolgung ausnutzten, müßten alle Staaten effizienter zusammenarbeiten, sagte er.
Ziel der Konferenz in Stockholm müsse es sein, daß die Kinder als die Schwächsten der Gesellschaft wieder eine Lobby bekämen, sagte Kinkel. Weltweit seien schätzungsweise über zwei Millionen Kinder Opfer von sexuellem Mißbrauch, von Prostitution, Kinderhandel und Pornographie.
Kinkel forderte alle Menschen auf mitzuhelfen, daß der sexuelle Mißbrauch von Kindern aus der Tabu-Zone herausgeholt und als unentschuldbares Verbrechen gebrandmarkt werde. “Kinderschänder müssen geächtet werden”, sagte er.
Die sexuelle Ausbeutung von Kindern ist nach Erkenntnissen der Unicef-Chefin Carol Bellamy zu einem Multi-Milliarden-Geschäft geworden. Im Internet würden Kinderpornographie vertrieben, Kinderprostituierte angeboten und Informationen für Sextouristen veröffentlicht, sagte die Direktorin des UN-Kinderhilfswerks Unicef gestern in Stockholm. Sie forderte eine bessere Bildung für Mädchen in der Dritten Welt. “Das gibt ihnen Selbstbewußtsein, Kontrolle über ihr Leben und Wissen über ihre Rechte und Möglichkeiten.”
“Sexueller Mißbrauch und Kinderprostitution sind Verbrechen, sind Mord an der Kinderseele”, sagte Familienministerin Claudia Nolte. Die CDU-Politikerin, die an der Konferenz in Stockholm als Vertreterin der Bundesregierung teilnimmt, forderte, die Untaten gegen Kinder weltweit zu ächten. In Deutschland haben die Behörden 1995 laut Angaben des Bundeskriminalamtes bundesweit 16 013 Fälle von Kindesmißbrauch aufgedeckt, knapp 1 000 mehr als im Vorjahr. Unter den 18 044 Opfern waren mehr als zwei Drittel Mädchen. +++
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