Montag, 10, November 2003
Kinderprostitution
Tschechien hält UNICEF-Bericht für übertrieben
Das tschechische Innenministerium hat eine UNICEF-Studie über Kinderprostitution an der deutsch-böhmischen Grenze als unprofessionell eingestuft.
Nach Ansicht der Behörde enthält die Studie keine konkreten Fakten und ist an einigen Stellen stark übertrieben. Zudem beruhten die Angaben nicht auf einer methodischen Untersuchung. Trotz der Zweifel an dem Bericht werde man mit den deutschen Behörden über weitere Schritte beraten, sagte Innenminister Stanislav Gross der Prager Nachrichtenagentur ČTK.
Auch Kinderschutzbund und Staatsanwälte zweifeln
Der Geschäftsführer des Kinderschutzbundes in Sachsen, Zschache, teilt die Kritik. Gemeinsam mit weiteren Mitgliedern deutscher, tschechischer und polnischer Hilfsorganisationen hatte er auf einer Konferenz in der Stadt Most über Hilfsprogramme beraten. Zschache betonte gegenüber ČTK, bei einem Bericht über Kinderprostitution im Diffusen zu bleiben, helfe keinem. Wer von tausenden Fällen spreche, verunglimpfe eine ganze Gesellschaft.
Die tschechische Generalstaatsanwältin Benešova räumte ein, dass es Einzelfälle geben könne. Auf Grund der Berichte von Kollegen aus der Region glaube sie aber nicht, dass es sich um ein Massenproblem handele. Ähnlich hatten weitere tschechische Behörden und Organisationen auf die jüngste ČTK-Umfrage im Grenzgebiet reagiert. “Hier wird aus einer Mücke ein Elefant gemacht”, glaubt Oldřich Liška vom Kinderschutzverein “Život” (Leben).
Organisation Karo gibt keine Beweise heraus
Ende Oktober hatte UNICEF die wachsende Kinderprostitution im Grenzgebiet angeprangert. In einem Bericht hatte es geheißen, inzwischen würden deutschen Sextouristen aus Sachsen und Bayern schon Säuglinge und Kleinkinder angeboten. Der Bericht stützt sich auf Material der Plauener Organisation Karo. Diese hatte den Behörden aber trotz mehrerer Anfragen in den vergangenen Jahre Beweise für die angeblich massive Kinderprostitution auf böhmischer Seite verweigert.
zuletzt aktualisiert: 10. November 2003 | 16:52
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