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Montag, 07, Juli 2003

Kinder- Beauftragter missbrauchte Mädchen

Prozess: Klaus Sommer, ehemaliger Leiter des Bauspielplatzes der Stadt Pinneberg, wurde wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt.

Montag, 7. Juli 2003

Von Arne Kolarczyk

Pinneberg/Itzehoe - Viele Generationen sind mit dem mittlerweile geschlossenen Bauspielplatz unter der Pinneberger Hochbrücke aufgewachsen. Sie liebten das Gelände - und ihren “Spielplatz-Klaus”: 16 Jahre lang hat Klaus Sommer (59) die Einrichtung geleitet - und sich in dieser Zeit an einem elfjährigen Mädchen vergangen. Jetzt wurde er vom Landgericht Itzehoe zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Die elf angeklagten Taten datieren aus den Jahren 1986 bis 1989. Weil das heute 27 Jahre alte Opfer jahrelang die Konfrontation mit seinem Peiniger im Gerichtssaal scheute und die Übergriffe psychisch nicht verarbeiten konnte, ging es erst 2001 zur Polizei. In seiner ersten Vernehmung bei der Kripo legte Sommer ein umfassendes Geständnis ab.

Jetzt, nur zwei Monate, bevor die Taten verjährt wären, folgte die Verhandlung vor dem Landgericht Itzehoe. Und erneut räumte der Angeklagte die Übergriffe ein. Sie sollen sich aus einer Tröstungssituation, als der heute 59-Jährige das damals elfjährige Mädchen in den Arm nahm, entwickelt haben. Anfangs kam es nur zu Berührungen, später zu mehr.

Die Kammer wertete fünf der angeklagten Fälle als besonders schwerwiegend, weil sie mit einem Eindringen in den Körper des Kindes verbunden waren. So manipulierte der Angeklagte mit einem Finger die Scheide und zwang sein Opfer sogar zum Oralverkehr. Sommer sagte aus, dass die Entwicklung ins Sexuelle von ihm nicht bewusst gesteuert worden sei. Er habe sich mit den Taten auseinandergesetzt und daher 1992 den Posten auf dem Bauspielplatz abgegeben. Später war der heute 59-Jährige, der bis 1999 für die Prisdorfer SPD im Gemeinderat saß, als hauptamtlicher Betreuer des “Vereins für Betreuung und Selbstbestimmung im Kreis Pinneberg” tätig.

Die heute 27-jährige Frau, die in dem Verfahren auch als Nebenklägerin auftrat, hat jede freie Stunde ihrer Jugend auf dem Bauspielplatz verbracht. Deshalb ging sie dort auch immer wieder hin - trotz der Misshandlungen, die sich in einer Wellblechhütte abspielten, in der auch das Büro untergebracht war. Das Opfer sagte aus, während des Missbrauchs quasi neben sich gestanden zu haben. “Ich ließ das einfach über mich ergehen.” In Folge der Taten hat sich das Mädchen verändert, immer wieder Streit mit ihren Eltern bekommen. Dann flüchtete sie zu dem einzigen anderen Ort, den sie so liebte wie das Elternhaus - den Bauspielplatz.

Staatsanwältin Verena Döring hatte für den Angeklagten zwei Jahre und zehn Monate Haft beantragt. Die Kammer befand die Übergriffe als erheblich schwerwiegender und ging mit dem Urteil um acht Monate über die Forderung der Staatsanwältin hinaus. Verteidiger Christoph Heer hatte für eine zweijährige Bewährungsstrafe votiert. “Ich halte dieses Urteil eindeutig für zu hoch, habe Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt.” Der Richterspruch zerstöre das Leben seines bisher nicht vorbestraften Mandanten. “Ohne dessen Einlassung wäre die Verurteilung gar nicht möglich gewesen. Auch das Zeitmoment ist vom Gericht nicht ausreichend berücksichtigt worden.”

erschienen am 3. Jul 2003 in Pinneberg

Quelle:

http://www.abendblatt.de/daten/2003/07/03/182674.html

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Gepostet von am 07/07 um 02:44 AM

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