Freitag, 24, Oktober 2008
Justiz rollt Fall Kampusch neu auf
Ein spektakuläres Verbrechen - und viele offene Fragen: In Österreich wird der Kriminalfall Natascha Kampusch neu aufgerollt. Als Kind war die heute 20-Jährige entführt und acht Jahre in einem Kellerverlies gefangen gehalten worden. Die Justiz will nun vor allem klären, ob der Täter Komplizen hatte.
Wien - Schon in wenigen Tagen sollen - erneut - die Ermittlungen beginnen: Die österreichische Justiz rollt den Entführungsfall Natascha Kampusch wieder auf.
Ein Sprecher der Justizministerin Maria Berger bestätigte einen entsprechenden Bericht der Tageszeitung “Die Presse”. “Was in der Zeitung steht, stimmt”, sagte Bergers Sprecher Thomas Geiblinger.
Laut “Presse” will das Wiener Justizministerium ungeklärte Fragen aufgreifen, die sich aus dem Bericht einer Untersuchungskommission ergaben. Dabei gehe es vor allem darum, ob tatsächlich nur eine Person oder doch mehrere Täter für die Entführung der damals Zehnjährigen verantwortlich sind.
Kampusch wurde im März 1998 auf dem Schulweg in Wien entführt und achteinhalb Jahre in einem Kellerverlies gefangengehalten. Am 23. August 2006 entkam sie in einem unbeobachteten Moment. Ihr Peiniger Wolfgang Priklopil nahm sich unmittelbar danach das Leben. Der Fall erregte in ganz Europa großes Aufsehen. Über die Wiederaufnahme von Ermittlungen war bereits im Juni dieses Jahres in Medienberichten spekuliert worden - damals dementierte die Wiener Staatsanwaltschaft.
Mehrere Besprechungen zwischen Innenministerium und dem Justizressort, heißt es nun, hätten zum Entschluss der Wiederaufnahme des Ermittlungsverfahrens geführt. Im Innenministerium dürfte nun an der Erstellung einer Sonderkommission mit neuen Beamten gearbeitet werden, schreibt “Die Presse”. Die Ermittlungen könnten demnach voraussichtlich Ende nächster Woche starten.
Grundlage für die Ermittlungen ist dem Blatt zufolge unter anderem die Zeugenaussage einer Zwölfjährigen, die die Entführung beobachtet und unmittelbar danach von zwei Tätern berichtet habe.
Auch Einflüsse von Opferschutzorganisationen auf die Vernehmung Kampuschs führt die Tageszeitung als Grund an. Ein Freund und Geschäftspartner des Entführers Wolfgang Priklopil müsse mit einer neuerlichen Überprüfung seiner Person rechnen. Er habe laut seinem Anwalt seine Kooperation zugesagt.
pad/AP
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