Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!

Sonntag, 03, Oktober 2004

Jede dritte Frau Opfer von Gewalt: Erschreckendes Ergebnis einer repräsentative Studie

Berlin (ddp). Jede dritte Frau wurde in ihrem Leben bereits geschlagen, gedemütigt oder sexuell misshandelt. Bei jeder vierten war es der eigene Partner, der ihr Gewalt angetan hat. Das geht aus der ersten repräsentativen Studie zur Gewalt gegen Frauen hervor.

In der Untersuchung gaben 37 Prozent der befragten Frauen an, seit ihrem 16. Lebensjahr körperliche Gewalt erlebt zu haben. 13 Prozent wurden Opfer von sexueller Gewalt. 55 Prozent der Frauen, die körperliche Gewalt erlebt haben und 22 Prozent derer, die sexuell misshandelt wurden, erlitten körperliche Verletzungen. Beinahe die Hälfte der Betroffenen vertraute niemandem ihre schlimmen Erlebnisse an. Nur etwa jede vierte Frau ging zur Polizei.

Beinahe die Häfte der osteuropäischen Befragten teilten Erfahrungen
Besonders türkische und osteuropäische Migrantinnen leiden der Studie zufolge unter Misshandlungen. Während in der Hauptuntersuchung 40 Prozent körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt hatten, waren es bei den Frauen osteuropäischer Herkunft 44 Prozent, bei den Frauen türkischer Herkunft mit 49 Prozent beinahe die Hälfte der Befragten.

Die körperlichen Übergriffe werden meist vom Partner im häuslichen Bereich verübt. Zu den Risikofaktoren gehören neben einer Trennung oder Trennungsabsicht auch Gewalterfahrungen in Kindheit und Jugend. «Frauen, die in ihrer Kindheit geprügelt wurden, suchen sich häufig mit schlafwandlerischer Sicherheit Partner, die sie wieder prügelten und die häufig selber geprügelt wurden», sagte Bundesgesundheitsministerin Renate Schmidt. Deshalb sei die Sensibilisierung von Kindern in der Schule so wichtig, um diesen «Teufelskreis» zu durchbrechen. Bildung, Einkommen, Schichtzugehörigkeit und Alkoholismus hatten entgegen der Erwartung keinen Einfluss auf die Gewaltausübung.

Für die Studie «Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland» waren im Auftrag des Bundesfamilienministeriums 10 000 Frauen zwischen 16 und 85 Jahren befragt worden.

Bessere Polizeiarbeit
Als einen Erfolg wertete Schmidt die Interventionsprojekte gegen häusliche Gewalt. Vor allem die Arbeit der Polizei habe sich dadurch verbessert, wie eine weitere Studie zeige. Häusliche Gewalt sei für die Beamten keine Privatangelegenheit mehr, sondern werde als Straftat und als Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung geahndet.

Dass Männer aber nicht nur Täter, sondern auch Opfer sind, belegt die von Schmidt präsentierte Pilotstudie «Gewalt gegen Männer». Meist jedoch schwiegen die Betroffenen aus Scharm und wollten nicht wahrhaben, dass sie ausgeliefert und ohnmächtig gewesen seien, sagte Männerforscher Hans-Joachim Lenz. «Der Satz ´Indianer kennen keinen Schmerz´, hat offenbar auch in der heutigen Erziehung noch immer Bedeutung.» Gewalt gegen Frauen sei seit 30 Jahren Thema. Für vergewaltige Männer gebe es keine Hilfsangebote, kritisierte der Wissenschaftler. Männern müsse das gleiche Maß an körperlicher Unversehrtheit zugestanden werden wie Frauen, forderte er.

03.10.2004 Ster

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Gepostet von am 10/03 um 02:03 PM

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