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Montag, 17, November 2008

Fall Michelle: Polizei erhält zahlreiche Hinweise nach Veröffentlichung von Phantombild

Leipzig. Nach der Veröffentlichung eines Phantombildes im Fall Michelle sind bei der Polizei zahlreiche Tipps eingegangen. “Wir haben Hinweise zu konkreten Personen erhalten”, sagte Behördensprecher Andreas Loepki. Eine genaue Zahl der Anrufe wollte er nicht nennen. Die eingegangenen Angaben würden nun von den Ermittlern überprüft. Der auf der Abbildung zu sehende Mann wird von den Beamten als Zeuge gesucht.

“Eine Frau hat ihn im Umfeld von Michelles Schule beobachtet”, sagte Loepki. Er soll sich am Tag des Verschwindens der Achtjährigen längere Zeit in Höhe der Martinstraße 16 aufgehalten und umgesehen haben.

Der Gesuchte könnte nun wichtige Hinweise geben. Er soll zwischen 40 und 50 Jahren alt und 1,80 bis 1,90 Meter groß sein. Er habe eine kräftige Gestalt sowie kurze und dunkelbraune Haare. Bekleidet war er mit einem kurzärmligen, mehrfarbigen Hemd, das unter anderem die Farben grün und blau enthielt, sowie blauen Jeans. Die Polizei bittet den gesuchten Mann, sich zu melden.

Michelle verschwand am 18. August dieses Jahres. Die Spur des Mädchens verliert sich gegen 16 Uhr, als sie zuletzt am Spielplatz Simonsplatz gesehen wurde. Drei Tage später entdeckte ein Spaziergänger ihre Leiche im Teich des Stötteritzer Wäldchens. Die Achtjährige verschwand auf dem Heimweg vom Schulhort.

Die Zeugin habe sich nicht selbst bei der Polizei gemeldet. Nach Angaben Loepkis hatte sie ihre Aussage bei einer Anwohnerbefragung gegenüber den Beamten gemacht. Danach sei die Zeichnung entstanden, die zunächst nur für interne Ermittlungen verwendet worden sei. Diese hätten aber nicht den erhofften Durchbruch gebracht.

Am Mittwochabend hat Uwe Matthias, Chef der Sonderkommsion, das Phantombild bei der ZDF-Sendung “Aktenzeichen XY ... ungelöst” vorgestellt und die Zuschauer um Mithilfe gebeten. Danach nahm er am Telefon zahlreiche Hinweise entgegen. Einer der Anrufer soll auch Angaben zu einer konkreten Person gemacht haben.

Die Zeichnung liegt der Polizei seit September vor. Ursprünglich sollte es erstmals in der Fernsehsendung am Mittwoch veröffentlicht werden. Aufgrund der Breitenwirkung der Sendung als reine Fahndungssendung sei es die Absicht der Leipziger Polizei gewesen, das Bild innerhalb dieses Formats vorzustellen, begründeten die Beamten ihr Vorgehen. Den anderen Medien sollte das Dokument erst im Anschluss an die Sendung zur Verfügung gestellt werden.

Da im Laufe des Dienstages der Vorwurf der Bevorzugung einzelner Medien laut wurde, habe man sich dann aber entschlossen, die Fahndungsmeldung gleich allen Medien zur Verfügung zu stellen, so Loepki am frühen Dienstagabend.

Im Fall Michelle hatte die Polizei, anders als beim Fall Mitja, bei dem immer wieder Ermittlerdetails durchsickerten, von Anfang an eine defensive Öffentlichkeitsarbeit gewählt. Zeitweise wurde eine Nachrichtensperre verhängt. In einer Mitteilung räumten Polizei und Staatsanwaltschaft dann am 20. Oktober ein: „Der rote Faden ist noch nicht gefunden.”

Bis Ende Oktober sichteten die Ermittler 2770 Stunden Videomaterial aus Überwachungskameras, durchwühlten neun Tonnen Altkleider, befragten 9369 Anwohner und 591 Zeugen, prüften 1389 Hinweise. Ergebnisse der Bemühungen: keine. Ferner seien 20 verdächtige Objekte durchsucht und 2506 Spuren gesichert worden, darunter auch DNA-Vergleichsmaterial.

Doch offenbar ist der genetische Fingerabdruck von dem Gesuchten bislang in keiner Datei erfasst, so dass auch diese Spur vorläufig kalt bleibt. Es konnten lediglich zwei Männer, die sich selbst des Verbrechens bezichtigt hatten, durch DNA-Analysen als Täter ausgeschlossen werden. Ein Massen-Gentest bleibe nach Angaben der Polizei ultima ratio.

Inzwischen wurde die größte Sonderkommission der sächsischen Kriminalgeschichte abgespeckt: Von bislang 177 Beamten verbleibe nunmehr eine „Stammbesetzung“ von 75.

Nach wie vor werden die Jacke und die Tasche gesucht, welche Michelle am Tage ihres Verschwindens bei sich trug. Zeugen die Angaben zu den noch gesuchten Gegenständen, zur Identität des Mannes auf dem Phantombild und zu seinem Aufenthaltsort machen können, melden sich bei der Leipziger Kriminalpolizei in der Dimitroffstraße 1 oder telefonisch unter der Nummer (0341) 96 64 66 66.

Matthias Roth, Anne Sturm, LVZ-Online/Frank Döring
© LVZ-Online, 17.11.2008, 16:46 Uhr

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