Montag, 03, November 2003
Erste Geständnisse nach Großrazzia
Nach dem Schlag gegen einen Kinderschänderring in München haben einige Verdächtige bereits Teilgeständnisse abgelegt. Das sichergestellte Material habe zudem konkrete Hinweise auf tatsächlichen Missbrauch von Kindern ergeben, so die Ermittler.
Bei den Opfern handelt es sich den Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft zufolge um Buben im Alter von etwa 10 bis 14 Jahren. Drei von ihnen konnten bereits identifiziert werden. Die genaue Auswertung des vergangene Woche sichergestellten Materials wird aber noch Monate dauern.
Insgesamt 16 allein stehende Männer zwischen 30 und 65 Jahren sollen Kinder sexuell missbraucht und kinderpornografisches Material verbreitet haben, 12 von ihnen sitzen bereits in Untersuchungshaft. Ihnen wird auch die Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen.
Bei den beiden mutmaßlichen Haupttätern handelt es sich um einen 31 Jahre alten Informatikstudenten und einen 40-jährigen Informatiker. Es sei gut möglich, dass sich im Zuge der Ermittlungen der Kreis der Verdächtigen noch deutlich erweitere, sagte Oberstaatsanwalt Wolfgang Heimpel. Geprüft werden auch Verbindungen zu möglichen Verdächtigen in einer anderen deutschen Stadt.
Vernetzte “Selbsthilfegruppe”
Die Gruppierung sei ursprünglich als Selbsthilfegruppe aufgetreten und bundesweit mit anderen Gruppen vernetzt gewesen, sagte Kriminaldirektor Hauch. Von Beginn der Ermittlungen im Dezember 2002 an sei jedoch klar gewesen, dass die Aktivitäten „nichts mit Selbsthilfe zu tun haben“, sagte Hauch. Die Ermittler waren der Gruppe auf die Spur gekommen, als diese in Zeitungsinseraten auf ihr regelmäßiges Treffen aufmerksam machen wollte. Die Zeitungen verständigten die Polizei.
Am vergangenen Donnerstagabend hatten die Behörden in einem Großeinsatz mit mehr als 200 Polizisten und Staatsanwälten 18 Wohnungen in München, Freising, Dachau, Germering, Planegg, Haar, Vierkirchen, Altötting und Memmingen durchsucht.
Der Einsatz wurde in einem Überraschungsschlag geführt; teilweise wurden Türen eingetreten, um zu verhindern, dass Beweismittel vor der Sicherstellung durch die Polizei vernichtet werden konnten. Die Verdächtigen seien teils am Computer überrascht worden, berichtete Hauch.
In einer Wohnung habe ein 14 Jahre alter Bub auf einem Bett gesessen. „Sexuelle Handlungen sind zu diesem Zeitpunkt aber nicht festgestellt worden.“ Bei der Aktion wurde umfangreiches Beweismaterial wie Computer und Kinderpornobilder sichergestellt.
Im Einzelnen handelte es sich um 36 Computer, darunter ein PC mit einer 1,5-Terrabyte-Festplatte, 41 Wechselfestplatten, mehr als 8000 CD-ROMs und Disketten, rund 1200 Videokassetten und 1200 anderen Beweismittel von Fotoalben und Dia-Sammlungen über Adresslisten und Digitalkameras bis hin zu Tagebüchern. Die Auswertung werde Monate dauern, sagte Hauch.
(sueddeutsche.de/dpa/ddp)
http://www.sueddeutsche.de/muenchen/artikel/795/20775/
3.11.2003 14:59 Uhr
Artikel EmpfehlenDieser Eintrag wurde 189 mal gelesen.
Next entry: Unter Kinderschändern II
Previous entry: Pornoringe ziehen immer größere Kreise

