Montag, 01, März 2004
Ermittlungen gegen Juristen aus Hall
Staatsanwalt hatte Kinderpornos im Computer
veröffentlicht am veröffentlicht: 01.03.04 - 15:49 Uhr
Naumburg/Karlsruhe (rpo). Auf der Suche nach Nutzern von Kinderpornos ist den Fahndern in Sachsen-Anhalt ein Kollege ins Netz gegangen. Auf dem Computer des Staatsanwalts in Halle wurden Kinderporno-Dateien entdeckt, wie die Generalstaatsanwaltschaft am Montag in Naumburg bestätigte.
Gegen den Juristen wird nun wegen des Besitzes kinderpornografischer Bilder ermittelt. In Karlsruhe meldete die Polizei die Zerschlagung eines bundesweiten Kinderpornorings. Insgesamt wurden 51 Verdächtige ermittelt, wie ein Sprecher mitteilte.
Im Fall des Halleschen Staatsanwaltes waren dessen Privat- und Diensträume nach Informationen der “Mitteldeutschen Zeitung” bereits Mitte vergangener Woche durchsucht worden. Die Aktion sei jedoch aus ermittlungstaktischen Gründen zunächst geheim gehalten worden. Nach Angaben des Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft, Klaus Tewes, war der Hinweis von einer Staatsanwaltschaft in Bayern gekommen. Dort seien Ermittler bei der Überprüfung von E-Mail-Adressen in einem Kinderporno-Fall auf Beteiligte in Sachsen-Anhalt gestoßen, darunter auch der Staatsanwalt in Halle. Tewes betonte, dass der Verdächtige nicht an der in Halle ansässigen Zentralstelle zur Bekämpfung der Kinderpornografie tätig war. Das Verfahren sei wegen der großen örtlichen Nähe nach Naumburg gezogen worden.
Im Fall des Kinderpornorings waren Ermittlungen gegen einen 31-Jährigen aus Karlsruhe der Ausgangspunkt. Der Mann war laut Polizei bereits vor knapp einem Jahr ins Visier der Ermittler geraten, weil er im Internet Kinderpornografie angeboten hatte. Bei einer Wohnungsdurchsuchung waren Datenträger mit E-Mail-Adressen von 50 Tauschpartnern sichergestellt worden. Die Ermittler hatten die 50 Männer aus dem gesamten Bundesgebiet aus nahezu 5.500 E-Mail-Kontakten herausgefiltert.
Insgesamt seien in dem Fall 558 Videokassetten, 315 Disketten, 280 CDs, 24 Computer und zwei Digitalkameras sicher gestellt, hieß es. Bei den mehreren tausend Darstellungen handele es sich um Fälle, bei denen Männer offenbar in Osteuropa und in Asien ausschließlich kleine Jungen missbrauchten, darunter aber auch Szenen mit Gewalt- und Tierpornografie.
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