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Montag, 19, Juni 2000

Dutroux: Fünf Jahre Haft wegen Flucht

Sein Ausbruch löste 1998 eine Regierungskrise ausDer belgische Kinderschänder Marc Dutroux ist am Montag wegen seiner spektakulären Flucht aus einem Gerichtsgebäude im April 1998 zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Das Gericht in der Ardennenstadt Neufchateau begründete sein Urteil damit, dass Dutroux während der Flucht Menschen bedrohte und Diebstähle beging.Die Richter folgten dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der Kinderschänder, dem die Entführung von sechs Kindern und die Mitschuld an dem Tod von vieren von ihnen vorgeworfen wird, hatte mit seiner Fluchtaktion vor zwei Jahren erhebliches Aufsehen erregt und eine Regierungskrise ausgelöst.

BESTBEWACHTER HÄFTLING BELGIENSDer heute 43-Jährige hatte damals in Neufchateau seine Akten einsehen wollen, um sich auf seine Verteidigung vorzubereiten.

Dabei schlug er einen Polizisten nieder, nahm ihm die Dienstwaffe ab, stürmte ins Freie und zwang einen Autofahrer zur Herausgabe seines Wagens. Vier Stunden später konnte Dutroux, der als bestbewachter Häftling Belgiens galt, im Zuge einer Großfahndung gefasst werden. An der Verfolgungsaktion hatten sich 5000 Polizisten aus Belgien, Luxemburg, Deutschland und Frankreich beteiligt.REGIERUNGSKRISEDie Flucht löste eine Regierungskrise aus. Der damalige Justizminister Stefaan De Clerck und Innenminister Johan Vande Lanotte traten noch am selben Abend zurück. Die Bevölkerung und Politiker aller Parteien reagierten mit Empörung auf die schwere Panne der belgischen Justiz. Die Umstände der Flucht lösten Spekulationen um Mithelfer oder ein Komplott aus. Seit seiner Verhaftung 1996 war immer wieder der Verdacht aufgekommen, der Kinderschänder habe Helfer in höchsten belgischen Kreisen, nicht zuletzt bei Polizei und Justiz.

Der einschlägig vorbestrafte Dutroux war in dem Gerichtsgebäude entgegen dem üblichen Vorgehen mangelhaft bewacht worden. Normalerweise wurde er wegen zahlreicher Morddrohungen von schwerbewaffneten Polizisten begleitet. Außerdem war er nicht angekettet, wie es sonst bei der Durchsicht von Akten durch Häftlinge üblich ist. Der eigentliche Prozess wegen der Entführung und des Missbrauchs von sechs Kindern, von denen vier in der Gefangenschaft starben, wird frühestens im nächsten Jahr beginnen.

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Gepostet von am 06/19 um 05:15 PM

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