Dienstag, 28, Dezember 2004
Drei Verbrechen an Kindern im Nordwesten ungeklärt
Sexualmorde an Kindern nehmen aber ab - Pfeiffer: Thema nicht dramatisieren
Bremen/Rotenburg (ddp-nrd). Seit Sommer 2001 beschäftigt das Schicksal von vier Kindern aus dem Nordwesten Deutschlands die Öffentlichkeit. Von Felix fehlt auch zum Jahresende nach wie vor jede Spur. Adelina, Dennis und Levke wurden sexuell missbraucht und ermordet. Die Mörder von Dennis und Adelina sind noch nicht gefasst. Nur ein Verbrechen konnte bislang aufgeklärt werden. «Warum?» steht stellvertretend auch für die Verbrechen an den anderen Kindern auf dem Grabstein von Adelina auf einem Bremer Friedhof.
Die Zehnjährige kehrt im Juni 2001 von einem Besuch bei ihrem Ur-Opa nicht zurück. Knapp dreieinhalb Monate später findet eine Pilzsammlerin die Leiche des Mädchens in einem Waldstück, nur wenige Kilometer von seinem Elternhaus entfernt. Die Polizei geht von einem Sexualmord aus. Im September desselben Jahres entführt ein unbekannter Mann den neunjährigen Dennis aus Osterholz-Scharmbeck nachts aus einem Schullandheim in Wulsbüttel (Kreis Cuxhaven). Zwei Wochen später entdeckt ein Pilzsammler den Jungen tot an einem Waldweg.
Im Mai dieses Jahres lockt ein 31-Jähriger die achtjährige Levke aus Cuxhaven-Altenwalde in sein Auto und ermordet sie. Levkes Leiche findet im August ebenfalls ein Pilzsammler in einem Wald im sauerländischen Attendorn. Nach sieben Monaten intensiver Arbeit gelingt es der Polizei, den Täter zu überführen. Er legt ein Geständnis ab. Im kommenden Jahr wird er sich vor Gericht verantworten müssen.
Die Festnahme des mutmaßlichen Mörders der kleinen Levke hat die Polizei in Bremen mit «großem Interesse wahrgenommen», sagt Polizeisprecher Heiner Melloh. Zwar sei eine Beteiligung des Bremerhaveners am Mordfall Adelina «recht unwahrscheinlich». Aber Täter seien recht mobil, deshalb sei auch nicht ausgeschlossen, dass es möglicherweise doch eine Verbindung gebe. Die Soko Adelina hat sich zwar nach einem Jahr Arbeit offiziell aufgelöst. «Die Akte ist aber nicht geschlossen», betont Melloh. Neuen Hinweisen gehen die mit dem Fall vertrauten Beamten weiterhin nach.
Ende Oktober verschwindet schließlich der achtjährige Felix aus Neu-Ebersdorf spurlos. Er war mit seinem Fahrrad unterwegs, um sich mit Freunden zu treffen. Von Zeugen wird er noch auf dem Heimweg gesehen, dann verliert sich seine Spur.
In den Fällen Felix und Dennis geht die Polizei von zwei unterschiedlichen Tätern aus, auch wenn die Opferauswahl ähnlich ist und ein gewisser räumlicher Zusammenhang besteht. «Bei Felix handelt es sich vermutlich um den klassischen Fall des ‘Abgreifens’ wie bei Levke», sagt Polizeisprecher Detlev Kaldinski. Dagegen schlägt Dennis’ Täter immer nachts zu: Seit 1992 hat er nach Ansicht der Ermittler vier Jungen getötet und 36 Mal Kinder in Schullandheimen, Zeltlagern und Einfamilienhäusern missbraucht.
Trotz der aktuellen Fälle warnt der Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, Christian Pfeiffer, vor einer Dramatisierung des Themas Sexualmorde an Kindern. Das Risiko von Kindern, Opfer eines Sexualstraftäters zu werden, habe seit den 70er Jahren kontinuierlich abgenommen. «Wir sind heute bei einem Fünftel der Häufigkeit von Anfang der 70er Jahre», betont Pfeiffer.
Quelle
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