Freitag, 18, Januar 2008
Alle schauen zu, keiner sieht was
Von Susanne Mayer
Sexueller Missbrauch ist ein Verbrechen, das tiefe Spuren hinterlässt – in Kinderseelen, Elternherzen, Familienleben. Endlich gibt es ein Buch, das aufklärt
Das Böse trägt viele Masken. Es erscheint vielleicht in Gestalt des supernetten Fußballtrainers, es ist womöglich genau der, der sich nach dem Training noch hingebungsvoll kümmert, der lädt die Spieler sogar ins Kino ein! Das Böse naht auf leisen Sohlen, als sanfter Nachbar, oder klingelt pünktlich jede Woche an der Haustür, als Nachhilfelehrer. Es mag der Erzieher in der Kita sein, der sogar noch abends gerne die Kinder hütet, das Böse tarnt sich vielleicht als der oberlustige Familienvater, bei dem das Kind babysittet. Das Verderben, so lehren solche Beispiele der letzten Jahre, tritt fast nie in Gestalt des bösen Onkels auf, vor dem man Kinder einst warnte. Männer, die Kinder missbrauchen, und es sind zu über 90 Prozent Männer, die das tun, sind meist die netten Typen, nice guys machen sich an Kinder ran, so formulierte es ein Psychologe, na logo, bad guys kommen nicht ran. Schon das eine Tragödie. Wer möchte seine Kinder vor Leuten warnen, denen sie, arglos, wie Kinder sind, vertrauen, wer will Unschuld mit dem Stachel des Misstrauens zerstören?
Quelle
Manfred Karremann: Es geschieht am helllichten Tag
Die verborgene Welt der Pädophilen und wie wir unsere Kinder vor Missbrauch schützen; DuMont Verlag, 2007; 255 S., 17,90 €
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